1.Woche – 11. bis 13. September 2012
Arequipa und Canon de Colca – auf den Pfaden der Inkas

Heute sind wir wieder früh aus den Federn raus und wollen uns auf den Spuren der Inkas begeben. Um 03Uhr morgens (!) werden wir von unserem Hostel abgeholt. Der Bus ist noch halb leer und wir nehmen in der hintersten Reihe unsere Plätze ein. Das war jedoch ein großer Fehler, wie wir später noch feststellen werden.
Der Bus hält noch an verschiedenen Hostels an, um weitere Teilnehmer mitzunehmen. Mit 13 Personen und reichlich Gepäck ist der kleine Mercedes-Bus aber auch ausgelastet. Wir verlassen Arequipa und mit jedem Kilometer, den wir uns fortbewegen, geht es immer weiter in die Pampa. Die geteerten Strassen werden immer rarer und verwandeln sich schließlich in Schotterpisten. Unser Fahrer quält und treibt den Mercedes durch riesige Schlaglöcher und über fussballgrosse Steinbrocken, so dass wir in den hinteren Reihen immer wieder gnadenlos wachgerüttelt werden. Die Stossdämpfer waren praktisch nicht mehr vorhanden. An Schlaf ist da nicht mehr zu denken.
Stunden später erreichen wir endlich den Canon de Colca!

Wir halten auf einem Felsplateau an, von wo aus man mit etwas Glück die berühmten Andenkondore sehen kann. Die riesigen Greifvögel gelten als die größten ihrer Art. Die Spannweite ihrer Flügel kann mehr als 3 Meter betragen! Die Aussicht ist fantastisch. Wir stehen inmitten der Anden, ringsum riesige Berge und tiefe Täler. Plötzlich sehen wir sie aufsteigen! Zuerst nur 2-3 Kondore, dann immer mehr. Kreisend steigen sie vom Tal hoch, manchmal nur wenige Meter über unseren Köpfen empor. Insgesamt zählen wir ca. 18 Andenkondore, die majestätisch zwischen den Bergen und über das Tal kreisen und nach Beute Ausschau halten. Wir könnten den Greifvögeln noch ewig bei ihren Flugkünsten zuschauen, aber wir müssen wieder weiter.

In ganz Südamerika gibt es etwa noch ca. 10.000 Andenkondore. Leider nimmt auch der Bestand dieser Vögel stetig ab. Der größte Bestand befindet sich in Peru, wo sie nur selten bejagt werden. Der Kondor spielt eine wichtige Rolle in der Inka-Kultur. Das Besondere an ihm ist, dass er sich nur einmal auf Partnersuche begibt und lebenslang mit dem gleichen Partner gemeinsam den Nachwuchs aufzieht. Wenn ein Partner stirbt, folgt der andere Partner ihm freiwillig in den Tod. Er steigt dann ein letztes Mal hoch in die Lüfte, so hoch wie ihn die Thermik treiben kann, um sich dann in den Tod zu stürzen. Auch Kondore, die alt oder krank sind, folgen diesem Weg und stürzen sich hinab.

Die Schaukelfahrt geht noch eine Stunde, dann haben wir unseren Startplatz für die Trekking-Tour erreicht. Jetzt geht es los. Unser Guide Ono, ein peruanischer Deathmetalfan, erzählt uns, dass die gesamte Tour 25km lang ist und wir über 1000 Höhenmeter überwinden werden.
Puh,das wird anstrengend werden. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel auf uns herab. Die Temperatur beträgt 35Grad Celsius. Schon nach wenigen hundert Metern kommen wir ordentlich ins schwitzen. Es geht über Felsbrocken, schmale Pfade, Geröll und Schutt. Wir passieren wackelige Hängebrücken, die beim betreten quietschen wie alte rostige Türscharniere. Manchmal sind die schmalen Pfade, die wir uns immer wieder mit entgegenkommenden Eseln, Rindern und Schafen teilen müssen, nur einen halben Meter von steilen Abhängen entfernt. Ono, unser Guide, erklärt uns, dass wir immer eng am Berg entlang laufen sollen, damit man von den Tieren nicht versehentlich runtergeschubst wird. Hm, wie beruhigend. In fast 4000 Metern Höhe ist jeder Schritt viel anstrengender und so quälen wir uns bei sengender Hitze knapp 20 Kilometer hinab ins Tal.
Nachdem wir die Hälfte der (Tor-)Tour geschafft haben, gibt es ein Mittagsessen in einem winzigen Bergdorf.
Es gibt Reis, Kartoffeln und Alpaca (Lama) zu essen. Naja, nicht gerade unser Fall. Das Fleisch ist kaum genießbar und schmeckt nach nix.
Weshalb wir mehr oder weniger ungestärkt weiterziehen. Die Tour ist anstrengend und wir gehen weit über unsere Grenzen hinaus. Trotzdem ist es sehr interessant und spannend. Ono macht uns Mut und motiviert uns ” the rest will be a piece of a cake!”
Wir erfahren viel über die Inkakultur,über heilende Pflanzen und Früchten und über das spirituelle Bewusstsein der peruanischen Bevölkerung. Sie opfern “pachamama” z.B. immer einen Teil ihres Getränkes, und schütten am Anfang und am Ende etwas davon auf die Erde.So hoffen Sie im Einklang mit Mutter Erde zu bleiben. Ono kennt sich bestens aus und zeigt uns immer wieder Pflanzen und Früchte, mit scheinbar heilenden Kräften. Hier gibt es unzählige Früchte in vielen Farben, die wir noch nicht kannten. Besonders lecker sind die süßen Kaktusfrüchte Tuna.
Wir erreichen gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit unser Tagesziel, die “Oase”. Wir freuen uns auf komfortable Zimmer mit heissen Duschen und einem leckeren Abendessen. In der Oase gibt es kein Strom und kein Licht. Mit unseren Taschenlampen leuchten wir in unseren “Bungalow” und stellten fest, dass es sich nur um eine provisorische Hütte aus Bambus und Stein ohne Fenster handelt. Unter den Lichtstrahlen unserer Lampen entdecken wir schöne, grosse Käfer und noch größere dick behaarte Spinnen (eventuell Taranteln). Melanie flüchtet und fragt unseren Guide nach einer anderen Hütte. Die Alternative sah genauso aus, nur sind bei der ersten Durchsicht keine “Haustiere” zu sehen. Wir entscheiden uns mit etwas Unbehagen für die zweite Hütte, selbstverständlich ohne Strom, Licht, Bad und WC.
Unsere geschundenen und erschöpften Körpern müssen sich mit einer kalten Dusche begnügen. Da es auch in den außerhalb gelegenen Duschen und Toiletten kein Licht gibt, müssen wir uns gegenseitig, abwechselnd mit unseren Taschenlampen anleuchten.
Für die Dorfbewohner ein ganz normales, alltägliches Ritual. Für uns Wohlstandsmenschen höchst ungewohnt.
Erstaunlicherweise schlafen wir tief und fest auf dem bequemen Bett und bemerken nichts von unerwünschten Besuchern, trotz geöffneter “Türe”. Diese hatte nämlich kein Schloss.

Der Wecker klingelt schon wieder um 4.30 Uhr morgens. Ono erwartet uns um 5Uhr zum Aufstieg. Heute sollen über 1000 Höhenmeter auf nur 7 km kleinem Zickzackweg überwunden werden. Selbstverständlich wieder über Stock und Stein und großen Felsbrocken geht es steil empor. Manchmal hat man das Gefühl, als würde man senkrecht den Berg hoch laufen. Es ist mörderisch anstrengend und ein never-ending-way! Die Wege sind so schmal, dass wir uns manchmal vor den entgegenkommenden Eseln an die Felswand pressen müssen. Es ist erstaunlich, wie geschickt und leichtfüßig die Maultiere die steilen Wege passieren. Ein Esel drückt mich mit seinem Hinterteil an die Felswand. GottseiDank stand ich nicht am Abgrund!
Obwohl unsere Füße schmerzen und unsere Kräfte mit jedem Schritt schwinden, überwinden wir 1000 Höhenmeter in nur 3,5 Stunden. Wir können es kaum glauben, als wir das Felsplateau erreichen und unser harter Aufstieg mit einem fantastischen Blick über die Anden belohnt wird!

Fazit: In Europa wäre eine solche Trekkingtour kaum möglich gewesen, da derart rutschige Sandabhänge und unbefestigte Geröllwege kaum zur Bewanderung freigegeben würden. Trotz der extremen Bedingungen (Hitze, Höhe,unbefestigte Wege) Haben sich die Strapazen gelohnt. Ein zweites Mal werden wir dies allerdings nicht mehr tun ;-)

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