26. Woche – 21. März bis 27. März 2013

Aus dem Lautsprecher über mir knackt es. Das Geräusch reisst mich aus meinen Tagträumen und befördert mich wieder zurück in die Gegenwart. Der Pilot teilt mit, dass wir in wenigen Minuten in Honolulu landen werden!
HAWAII…. Wahnsinn!

Sanft landen wir auf dem hawaiianischen Boden in Honolulu, dass uns mit leichtem Nieselregen empfängt. Als wir mit dem Gepäck das Flughafengebäude verlassen, halten wir Ausschau nach den barbusigen, hübschen Hawaiianerinnen, die uns doch eigentlich einen Blütenkranz um den Hals legen und uns so herzlich auf Hawaii empfangen sollten. Leider ist davon weit und breit nix zu sehen. Andere (Pauschal-)Touristen wurden aber immerhin von hawaiihemdtragenden Personen mit schönen Orchideenblütenkränzen empfangen und mit Privatlimousinen in die jeweiligen Hotels gebracht.

Tja, so stehen wir nun mit unseren Rucksäcken etwas verloren im äusserst warmen Nieselregen am Flughafen von Honolulu und checken sämtliche Optionen, wie wir nun in die Innenstadt und zu einem Schlafplatz gelangen könnten. Ein freundlicher Mann polynesischer Abstammung mit grossflächigen, schönen traditionellen Tätowierungen erklärt uns die verschiedenen Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die günstigste Lösung und nehmen den Linienbus. Dies sollte sich jedoch noch als grosser Fehler erweisen! Doch der Reihe nach…
Wir nehmen in der ersten Hälfte Platz, wo noch ein weiteres, älteres Touripärchen mit Gepäck Platz genommen hat.

Uns fällt schon wie auch am Flughafen auf, dass tatsächlich jeder hier das typische obligatorische Hawaiihemd trägt!

Aus dem Fenster sehen wir, dass der Bus durch nicht gerade den schönsten Strassen von Honolulu fährt. Wir passieren einige heruntergekommene Strassen, auf denen sich zahlreiche Obdachlose tummeln. Nach einigen Fahrtminuten steigt eine etwas wütende Frau mittleren Alters zu uns in den Bus und platziert sich direkt auf die Sitzreihe neben uns. Als sich die Türen schliessen und der Bus weiterfährt, werden wir plötzlich auf ganz eigenartige Weise von der Dame überschwenglich “begrüsst”. Zuerst vernehmen wir nur undeutliche Laute und ein Grummeln, das sich jedoch schon bald
zu einem lautstarken Toben bis zu handfesten Hasstiraden entwickelt. “FUCK YOU… YEAH… YOU!!!! SON OF A
BITCH!!! …. YES, YOU!!!! I TALK TO YOU!!!! MOTHERFUCKING ASSHOLE!!! &@€xx%#$¥@!!! FUCK!! PISS OFF!!! FUCK OFF!! YEAH!!! YES, I MEAN YOOOUUUUU!!! …” Ungläubig lauschen wir den Schimpfwörtern und versuchen die Entgleisungen der Dame mit Nichtachtung zu strafen.
Dies scheint sie aber noch mehr anzustacheln und so wiederholen sich die Hasstiraden gegen uns aufs Neue. Dem Busfahrer scheint das Geschreie (erst) nach einer halben Stunde auf die Nerven zu gehen und hält schliesslich an. Er geht auf die “Dame” zu und flüstert ihr in einem ruhigen, hawaiianischen Ton etwas zu, woraufhin sie sich tatsächlich schlagartig wieder beruhigt und still wird. Leider hält der Zustand keine 5 Minuten an und das Geschreie geht von vorne los. Wir atmen erleichtert auf, als die Alte endlich schimpfend und fluchend aus dem Bus aussteigt.

Hm, einen warmen Enpfang auf Hawaii haben wir uns eigentlich anders vorgestellt! Während die einen mit Blumen empfangen wurden, wurden wir mit diesen vielen Kosenamen begrüsst.

Der nächste Schock erreicht uns direkt nach unserer Ankunft in der City. Die Hotel- und Hostelpreise sind astronomisch! Nach einigem suchen, inzwischen ist es schon nach zehn Uhr, finden wir ein halbwegs anständiges Hostel für 70 Dollar die Nacht. Naja, nicht gerade das Hyatt, aber wenigstens sauber und mittendrin. Das Appartment teilen wir uns mit einem freundlichen Japaner, der uns gleich ein Bier angeboten und uns mit Tipps versorgt hat.
Schnell schmeissen wir unser Gepäck in die Ecke und machen uns auf Erkundungstour durch Honolulu’s City. Dort entdecken wir krasse Gegensätze: Jede Menge homeless People mit Einkaufswagen, in denen sie ihr gesamtes Hab und Gut vor sich herschieben und reiche japanische und chinesische Yuppies mit zig Einkaufstüten von Prada, Gucci und Co. teilen sich gemeinsam die Strassen. Asiaten im totalen Shoppingrausch laufen wie aufgescheuchte Hühner von einem Shop zum nächsten aufgeregt hin- und her. Wir beobachten amüsiert, erstaunt und schockiert den einen oder anderen merkwürdigen Erdenbewohner. So begegnen wir beispielsweise einer schlanken, etwa zwanzigjährigen Japanerin auf Higheels staksend in Schulmädchenuniform und mit einem Lolly im Mund, die einen grossen weissen Teddybär spazieren trägt und zehn Einkaufstaschen unter dem anderen Arm trägt. Die gesamte Hauptstrasse, der Kalakaua Avenue besteht praktisch nur aus Freaks und kaufwütigen Touristen aus aller Welt sowie unendlichen Shoppingmalls und Geschäften, in denen praktisch JEDE Trend- und Designermarke der Erde vertreten ist! Der ganze Waikiki-Beach ist eine einzige, künstliche Shopping- und Entertainmentwelt… und für uns – insbesondere nach über 6 Monaten Aufenthalt in zum Teil sehr armen Gegenden von Südamerika – ist es der Overkill!

Dennoch… nach zwei Tagen haben wir uns an die neue, alte Welt gewöhnt. Um aus der bunten Glitzerwelt ein wenig auszubrechen, leihen wir uns am nächsten Tag ein paar Bikes aus und brausen damit durch Honolulu und erkunden noch das weitere Umland. Es geht teilweise ganz schön hoch- und runter, so dass wir ordentlich in die Pedale treten müssen. Ein Wahnsinnspass und Erlebnis mit dem Fahrrad durch die tolle Landschaft und vorbei an grandiosen Villen zu radeln! Unsere Tour führt uns hoch auf den Diamond Crater, von wo wir eine atemberaubende Aussicht auf Honolulu und der umliegenden Landschaft haben. Die Stadt, die Landschaft, der Himmel… alles
leuchtet wunderschön.
Leider klatschen nach ein paar Stunden die ersten fetten Regentropfen auf unserer Haut auf und die Luft kühlt sich deutlich ab.
Schnell schwingen wir uns wieder auf unsere Drahtesel und fahren downhill mit einem Affenzahn den Krater herunter und vertrauen dabei auf unsere Fahrkünste und den Bremsen! Eine Riesengaudi… obwohl der Regen jetzt wie aus Eimern vom Himmel herunterkommt und wir durch unsere zusammengekniffenen Augen kaum noch was sehen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir wieder die Hauptstrasse und müssen uns nur noch abwärts bis nach Honolulu-City rollen lassen. Inzwischen sind wir klatschnass! Nichts ist mehr trocken. Gibt es eine Steigerung für “extrem nass”!?

Als wir unser Appartement betreten, richten wir mit unseren nassen Klamotten eine halbe Überschwemmung an. Es sollte noch Tage dauern, bis unsere Kleidung wieder trocken wird.

Irgendwie konnten wir den “westlichen Versuchungen” trotz unseres Travellerbudgets nicht wiederstehen und geben uns ab und zu den reichlich vorhandenen kulinarischen Genüssen hin. Besonders die Gourmetburger von der Burgerfabrik “Teddy’s” waren ein Gedicht.Der Teriyaki-Burger und die handmade French Fries (die nach herrlich frischen Kartoffeln schmeckten) überzeugten mit allerbester Qualität!
Nun, auch in Apple’s Monsterflagstore in Waikiki konnte ich nicht wiederstehen: Dort wurde ich stolzer Besitzer des Ipad-Mini 64GB! Nachdem meine bessere Hälfte unser Ipad2 im Flieger vergessen hatte, war dies aber auch eine dringend benötigte und sinnvolle Anschaffung!

Am Waikiki Beach beobachten wir die zahlreichen Surfer und sind fasziniert von den Farben, die das Meer und der Himmel hergeben. Selten haben wir so intensiv leuchtende Farben gesehen.

Ausserdem geraten wir in eine Parade und treffen hier auf den guten, alten “Magnum” beim posen im offenem Cabriolet ;-)

Doch schon bald haben wir die Nase voll von der künstlichen Konsumwelt! Uns zieht es wieder in die Natur, von der die Inselgruppe Hawaii reichlich zu bieten hat. Überall Wasserfälle und Vulkane die sich wie gemalt in einer spektkulären Landschaft präsentieren.

Wir wollen zur Northshore, zu den berühmten Monsterwellen, auf denen die besten Surfer der Welt ihren perfekten Ride üben. Mit dem Leihwagen geht es zur Erkundung unserer ersten Hawaii-Insel, Oahu!

Wir besuchen einige Strände, lassen uns von den fantastischen Farben der Natur berauschen und treffen dabei immer wieder auf skurile Typen, von denen sich offensichtlich eine ganze Menge auf Hawaii befinden.
Ein Rocker-Opa der seine Freiheit auf einer fetten, aufgepimpten Harley, die mit etlichen blinkenden Totenköpfen und einem Kuhschädel verziert ist oder der ältere Surfer, der sich in einem Liegestuhl auf seinem VW-Bus-Dach eine kleine Pause gönnt und einfach den Moment der Gegenwart geniest haben uns besonders beeindruckt!

Als wir an der Nortshore ankommen staunen wir nicht schlecht: Herrlich tiefblaue Monsterwellen von weit mehr als 8 Metern donnern auf den Strand zu, von wo wir mit vielen anderen Surfbegeisterten staunend den mutigen Girls und Boys auf ihren Boards beobachten. Zwangsläufig muss ich hier sofort an den Kultfilm “Gefährliche Brandung” mit dem guten, alten Patrick Swayzee (es war sein bester Film!) und Kenau Reeves denken: Jeder scheint hier auf den perfekten Ride, auf die perfekte Welle im perfekten Moment zu warten! Selbst wenn es die letzte Welle sein wird… es zählt nur der Ride! Für einen kurzen Moment denke ich darüber nach, mich auch in die verlockenden Fluten zu stürzen. Es ist einfach die perfekte Kulisse: ein breiter, weisser Sandstrand… das Meer leuchtet in den schönsten Blautönen… der Himmel serviert dazu einen angenehm warmen Nieselregen… und das Meer schickt seine Monsterwellen…
Wirklich verlockend, aber selbst für uns Wasserratten ein paar Nummern zu gross. Hinter uns steht ein tätowierter Surfer “Holy shit! I’m pretty afraid about these fucking waves..”. Spätestens jetzt wird uns klar, dass wir besser als passive Beobachter das spannende Geschehen beobachten sollten. ;-)

Aber unser Adrenalinspiegel schnellt schon bald wieder in die Höhe: In der Nähe von Honolulu gibt es die berühmte “Chinese Wall”, eine Klippe, die wie eine Mauer aus dem Wasser ragt und von der aus man sich herrlich aus rund 5-8 Meter Höhe in die Tiefe stürzen kann! Wir springen abwechselnd von dem Felsplateau ins Meer und klettern denselbigen dann wieder hoch. Nach meinem ersten Sprung merkte ich allerdings, dass dies gar nicht so einfach war. Riesige Wellen schubsten einen immer wieder von der Felswand weg, so dass man keinen Halt mehr finden konnte. Man musste den richtigen Moment abwarten, um einen Felsvorsprung zu erwischen und wieder hochklettern konnte. Super anstrengend das Ganze, aber ein Heidenspass!

Das war’s dann erstmal mit Honolulu, Waikiki Beach und Co.

Mit dem Flieger geht es als Nächstes für ein paar Tage auf die namensgebende Insel Hawaii’ (Big Island) und anschliessend für weitere Tage zur berühmten Insel Maui.