26. Woche – 18. März bis 21. März 2013

Managua, Nicaragua
Fortsetzung:

…..mit diesen Gedanken fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Es wird vielleicht das allerletzte Mal sein, dass wir durch die lebendigen Strassen von Managua fahren, vorbei an alten, rostigen Fahrzeugen und einfachen Pferdekutschen wie aus vergangenen Jahrhunderten. Nur knapp drei Flugstunden später landen wir in einer völlig anderen Welt, auf deren Strassen die Fahrzeuge nicht mehr mit einem Pferd, sondern mit einer Vielzahl von Pferdestärken angetrieben werden.

Welcome back! Zurück in der “westlichen Welt”!

Nach fast 7 Monaten sind wir nun zum ersten Mal wieder in der westlichen, ersten Welt gelandet. Es fühlt sich irgendwie aufregend an, besonders für mich, da es mein erster Besuch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Wir betreten eine glitzernde Märchenkonsumwelt, die wir auf unserer Reise schon fast vergessen haben und für uns vor unserem Reisebeginn jedoch normal und alltäglich waren:

Nämlich alles was zu einer perfekten Infrastruktur dazugehört:

Supermärkte mit einer schier unendlichen Auswahl an Produkten, Unbegrenzte Shoppingmöglichkeiten,Saubere Strassen, eine geregelte Müllbeseitigung, gut ausgebaute Verkehrswege, Krankenhäuser, Schulen, Polizei etc. etc.

Auf den Strassen von Miami Beach glänzen zahlreiche Porsche, AMG’s, Ferraris und Lambos im Sonnenlicht. Unzählige Designerläden, Boutiqen und Markenshops aller Art buhlen um konsumfreudige Passanten. Überall glitzert und glänzt es in Miami Downtown und Miami-Beach…
In den gut sortierten Supermärkten ist plötzlich alles wieder verfügbar… und alles in XXL-Size! Coca-Cola, Fanta und Co. gibt es in Benzinkanistergrössen, Chips und Cookies in Monsterpacks, Würstchenpackungen für eine halbe Armee… buy three and get one free… buy today before it’s to late… pay one for two… BUY OR DIE!!! Scheint hier die Devise zu sein!

Zugegebenerweise hatte ich den USA (insbesondere Florida) und seinen stolzen Bewohnern gegenüber eher immer gewisse (harmlose) Vorurteile. Diese haben sich jedoch ziemlich schnell zerstreut.
Auf irgendeine Weise hat mich Florida sogar fasziniert. Vielleicht lag es daran, dass wir uns solange Zeit in verhältnismässig armen Ländern aufhielten und selbst in sehr einfachen Verhältnissen reisten/wohnten/aßen und lebten? Vielleicht lag es aber auch einfach nur an den Vorzügen der zivilisierten, westlichen Welt, auf die wir teilweise so lange verzichten mussten.

Wie dem auch sei, Miami gefiel uns super!
Am Flughafen in Miami holten wir unseren Leihwagen, einen Toyota Yaris ab. Als wir noch in der Tiefgarage umherfuhren und nach dem Exit suchten, bemerkten wir, dass der Tank halbleer statt randvoll ist. Wir mussten also wieder zurück zur Mietstation und nach einem Servicemitarbeiter fragen. Kein Problem in den USA: Keine zwei Minuten später kam ein junger Mann, stieg in unser Auto und deutete uns in Zeichensprache, dass wir mitfahren sollen. Ich spreche ihn auf englisch an. Keine Antwort. Hm, vielleicht taubstumm? Ich versuche es ein zweites Mal. Diesmal bekomme ich eine Antwort: “Lo siento, solo espagnol!” Hä? Ich bin in den USA und der Servicemann spricht nur spanisch und KEIN Wort englisch???? Auf spanisch erzählt er uns, dass er aus Kuba komme. Als wir bei der Waschstrasse und den Zapfsäulen von AVIS ankamen, stellten wir fest, dass dort ausschliesslich spanisch gesprochen wird. Irgendwie schräg, hätte nicht gedacht, dass man in den USA OHNE Englisch-Kenntnisse überhaupt irgendeinen (legalen) Job bekommen würde. Tja, so täuscht man sich!

Na, als dann mit dem Auto alles klar war, ging es erstmal auf den Highway in Richtung Fort Lauderdale, um uns mit unserem Kölsche Mädsche Claudia zu treffen.

Der Highway ging nur geradeaus und es ging irgendwie überraschend einfach und entspannt im amerikanischen Strassenverkehr zu. Kein Gedränge, kein Gehupe… easy-going. In den US-Filmen sah das immer anders aus.. . von wilden Verfolgungsjagden und spektakulären Chrashes ist hier jedenfalls keine Spur zu sehen! Thanks god! Mit unserem Yaris hätten wir da eh keine Chancen gehabt! ;-)

Nach einer knappen Stunde Fahrt auf dem Highway sind sind wir schon in Fort Lauderdale und unserem Hostel angekommen. Hier fühlten wir uns wieder wie in Südamerika: Die Besitzerin ist aus Kuba und um uns herum wird wieder einmal nur spanisch gesprochen. Die Bude selbst sieht irgendwie schäbig und düster aus, als hätten hier schon einige Gangster um sich geschossen oder irgendwelche Drogen- und Waffengeschäfte statt gefunden. Wie aus einem typischen Gangsterthriller!

Für Dealer, Kleinganoven, Kautionsflüchtlinge und dem einen oder anderen Serienkiller dient es sicherlich als hervorragender Unterschlupf. Für uns war es jedoch etwas befremdlich: Unsere Küche war schmutzig und das Mobiliar wurde teilweise von irgendeinem Irren zertrümmert (!) oder sah so aus, als wäre es gerade eben vom Sperrmüll angeliefert und grob zusammengebaut worden. Nur gut, dass wir nur eine Nacht bleiben mussten!

Am Abend trafen wir seit langer Zeit unsere kölsche Freundin Claudia wieder. In einer Bar, die an einem der unzähligen schönen Kanäle von Ft. Lauderdale liegt, feierten wir unser Wiedersehen mit ein paar Drinks und quatschten bis spät in die Nacht hinein.
Wir verabredeten uns für den übernächsten Tag zum Beachvolleyball, wo sich dann noch einige andere alte Bekannte dazugesellen werden.

Für uns ging es erstmal zurück in unser Gangsterhaus, aus dem wir am nächsten Morgen sehr früh flüchteten. Dabei bemerkten wir, dass unser Nachbar auch verschwunden ist. Die Tür stand offen, wir spähten kurz hinein und sahen ein einziges Chaos: Unzählige Flaschen, Pizzakartons mit verklebten Essensreste, alte Klamotten, Plastiktüten und allerhand Zeugs lagen kreuz und quer im Zimmer verteilt herum.
Hilfe, schnell weg hier!

Wir fuhren erstmal zu einer der zahlreichen Shoppingmalls. Dort genossen wir zum ersten Mal wieder nach langer, langer Zeit einen richtig schönen Cappuchino! Alte Gewohnheiten loderten wieder in uns auf… und wir wurden wieder koffeinabhängig! Ab diesem Tag gönnten wir uns wieder täglich einen Cappuchino.
Als wir vom shoppen und vom Koffein genug hatten, düsten wir wieder zurück nach Miami Downtown, um uns mit unseren brasilianischen Freunden aus Sao Paolo zu treffen. Vor einigen Monaten lernten wir Eric und Adrianna im Pantanal in Brasilien kennen und verbrachten ein paar tolle Tage zusammen. Ein paar Wochen später luden sie uns zu sich nach Sao Paolo ein, wo wir ein tolles Wochenende
verbrachten (wir berichteten!). Tja, und nun trafen wir uns zum dritten Mal. Dieses Mal in Miami Downtown, wo die beiden inzwischen sehr spontan hingezogen sind. Die nächsten Nächte verbrachten wir in deren hübschem Appartement und pendelten mehrmals zwischen Ft. Lauderdale, Miami Downtown und Miami Beach hin- und her. Wir besuchten den Ocean Drive, badeten im türkisfarbenen Meer am Stadtstrand und genossen wieder das westliche Grossstadtleben. Am zweiten Abend wurden wir von Erics Schwester, die ebenfalls in Miami wohnt, zum Dinner in ihrem Appartement eingeladen. Vorher gingen wir noch Getränke und Zutaten für das Abendessen einkaufen, da wir gemeinsam kochen wollten.
Als wir in dem berühmten Brickell500 Gebäude ankamen, konnten wir kaum glauben, dass hier Jennifer, die Schwester von Eric wohnt. Wir betraten das luxuriöse Foyer und wurden vom Concierge freundlich empfangen. Über einen topgepflegten Designer-Teppichboden ging es zum Aufzug und hoch in das 27. Stockwerk, wo uns Jennifer in ihrem tollen Luxus-Appartment empfängt. Tolle Einrichtung, geile Edelküche, riesige Terasse und eine spektakuläre Aussicht auf das nächtliche Miami Downtown. Es war berauschend!!! Wir verbrachten einen tollen Abend und lachten und quatschten bis spät in die Nacht hinein. Thanks and big hugs to Eric, Adrianna and Jennifer! :-)

Am nächsten Tag gings nochmal zum endlos langen, feinsandigen Strand von Fort Lauderdale, um ein bischen Beach-Volleyball zu spielen. Dort trafen wir neben Claudia noch ein paar andere Bekannte, die Melanie bei ihrem letzten Miami-Trip mit Claudia kennengelernt hatte. Unsere Zeit in Florida verging viel zu schnell
und so mussten wir uns schon nach 4 Tagen wieder von Claudia und später auch von Eric und Adrianna verabschieden.

Mit der American Airline flogen wir am darauffolgenden Morgen über Dallas nach Honolulu, Hawaii