25. Woche – 14. März bis 17. März 2013

Als wir den modernen Flughafen von Managua erreichten, waren wir sehr überrascht, dass unser Flug in die Karibik in einem winzigen, notdürftig zusammengenagelten “Terminal” abgewickelt wurde. Hier wurde noch wie in der guten, alten Zeit ohne Computer, dafür aber mit viel Papierkram gearbeitet. Viele Inselbewohner waren scheinbar über das Wochenende in die Hauptstadt gereist und hatten dort wohl ihren Jahreseinkauf erledigt. In der kleinen Abfertigungshalle lagen überall zig Pakete, Koffer und Rücksäcke verstreut auf dem dreckigen Fussboden umher. Der Flieger hätte eigentlich schon längst starten sollen und wir standen immer noch am check-in. Wenn ich solche Zustände auf einem deutschen oder europäischen Flughafen miterleben müsste, würde ich wahrscheinlich toben und ausflippen. Nicht jedoch hier in Nicaragua! “Pura Vida” war angesagt und wir warteten geduldig und gut gelaunt darauf, bis der ganze Krempel vom Fussboden aufgesammelt und in das Flugzeug befördert wurde und wir dann auch endlich mit unseren Rucksäcken einchecken durften. Uns war es zwar bis dahin ein Rätsel, wie die ganzen Leute und die vielen Pakete in das 58-Passagier-Flugzeug reinpassen sollten, aber durch ein logistisches Wunder wurde dies tatsächlich möglich.

Der Flug war super, wir flogen über den weitgehend unbewohnten Ostteil des Landes. Unter uns waren nur dichte, grüne Wälder zu sehen. Wildnis pur.

Nach einer kurzen Zwischenlandung in Bluefield ging es nochmal in die Lüfte und weiter nach Big Corn Island.
Von dort ging es nochmal eine halbe Stunde mit einem Schnellboot weiter nach Little Corn Island. Schon bei der Ankunft in Big Corn Island, bemerkten wir sofort, dass hier alles anders als sonstwo in Nicaragua war. Das karibische Feeling war überall zu sehen und zu spüren. Die Leute redeten alle englisch oder “spanglisch” und legten die typische karibische Gelassenheit an den Tage.

Ein Zimmer für die nächsten drei Nächte war schnell gefunden, schliesslich war die Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten auf der kleinen Insel sehr begrenzt. Das Hostel mit dem seltsamen Namen “Three Brothers” wurde seltsamerweise von drei seltsamen Frauen (three sisters?) seltsam geführt. Irgendwie waren dort alle etwas crazy, aber trotzdem nett und freundlich. Ausserdem war der Preis unschlagbar und der günstigste, den wir jemals für ein Doppelzimmer bekamen: 12 Dollar für 2 Personen!
Das Zimmer befand sich zwar in einem sehr einfachen, rosafarbenen Holzbretterhäuschen, wo wir im besten Falle normalerweise unsere Gartengeräte unterstellen würden, aber es war sauber und zweckmässig ausgestattet, nämlich mit einem relativ bequemen Bett! Was braucht man mehr für die Nacht? Ausserdem verfügte unser Zimmerchen über exakt 26 Steckdosen, so dass wir mühelos all unseren elektronischen Krimskrams anschliessen und aufladen konnten. Purer Luxus!
Bei dem Holzhaus handelte es sich um eine ehemalige Dorfdisko, die mal eben kurzerhand zu einem provisorischen Hostel umgebaut wurde. Die Steckdosen und diverses Inventar z.B. CD-Fächer wurden einfach so belassen. In unserer ersten Nacht hofften wir, dass keine unangenehmen Mitbewohner mit 4, 6 oder gar 8 Beinen durch die zahlreichen Holzritzen auftauchen würden.
Gott sei Dank, wir hatten das Zimmer für uns allein!

Little Corn Island ist, wie es der Name schon sagt, eine kleine Insel, die man locker in 2 Stunden zu Fuss umrunden kann, was wir natürlich auch gleich getan haben. Viele schöne Strände, klares türkisfarbenes Karibikwasser und eine tolle Atmosphäre, wie man es von der Karibik eben erwartet!

Überraschenderweise gab es sogar auf der Insel ein paar Restaurants, in denen man sehr lecker und weitab vom üblichen Reis-Huhn-Bohnen-Gemisch essen konnten. Kurzum, wir waren nochmal auf unseren letzten Reisetagen durch Süd- und Mittelamerika im Paradies gelandet!

Während Melanie sich nochmal einen Tauchgang gönnte und mit vielen bunten Tropenfischen spielte, ging ich mit einem einheimischen Guide zum schnorcheln, um einige Riffhaie aufzuspüren. Wir hatten Glück! Als ich etwa vier Meter runtertauchte, sah ich zwei schwarze Riffhaie, die gemütlich auf dem Grund lagen und chillten. Ich tauchte schnell wieder hoch zur Wasseroberfläche, um meine Lungen mit dem dringend benötigten Sauerstoff zu versorgen und den Chico über meine Entdeckung zu informieren. Schnell tauchten wir nochmal zu zweit hinab und Chico war tatsächlich so mutig und schlich sich von hinten an den etwa 2,5m langen Riffhai und packte ihn am Schwanz, worauf sich das filigrane Tier mit einem bösen Blick umdrehte, dann aber schnell in den Tiefen des Ozeans verschwand. Schade, ich war nur wenige Meter entfernt und hätte dem Hai gerne mal ein Küsschen auf die Nase gegeben. Maybe the next time!

Melanie und ich trafen uns später wieder an unserer Stammbar direkt am Strand und tauschten uns über unsere faszinierenden Erlebnisse aus der Unterwasserwelt aus. Am selben Abend unternahm Melanie noch einen abenteuerlichen Nachttauchgang, wovon sie völlig begeistert war. Aufgeregt erzählte sie mir später, dass sie mit mehreren, riesigen Schildkröten tauchte und zahlreiche leuchtende Wesen im dunklen Meerwasser um sie herum schwimmen sah. Im Schein ihrer Taschenlampen leuchteten gespenstisch die Augen tausender Shrimps und Hummer auf. Als sie die Lampen für einen Moment ausschalteten, reflektierte das im Wasser umhertreibende Plankton das Licht auf geheimnisvolle Weise zurück. Melanie erzählte, es wäre so gewesen, als sei sie in einer Märchenwelt mit Geistern und Fabelwesen abgetaucht.

Wir nahmen auf der sonnig-warmen Insel noch einige ausgiebige Sonnenbäder, schwammen viel im angenehm warmen Karibikwasser oder dösten einfach in der Hängematte, bevor wir schon bald wieder dieses schöne Karibikparadies verlassen mussten. Irgendwie beschlich uns plötzlich ein komisches Gefühl. Nach fast 7 Monaten mussten wir nun Süd-, bzw. Mittelamerika verlassen und es ging wieder zurück in die uns bekannte “westliche” Welt. Wir hatten uns in dieser Zeit sehr an die lateinamerikanische Lebensart gewöhnt, die so anders und inzwischen für uns doch so vertraut war, dass es uns nun tatsächlich sehr schwer fiel dass faszinierende Lateinamerika zu verlassen, in dem wir soviele Abenteuer erlebt und viele nette Menschen kennengelernt hatten. Ein Kontinent der uns unvergessen bleiben wird!

Wir reisten mit gemischten Gefühlen wieder nach Managua zurück und blieben dort noch eine letzte Nacht, bevor uns am nächsten Tag American Airline wieder zurück in die westliche Welt, nämlich nach Florida katapultierte.

In Florida wartete schon Claudia aus Köln sehnsüchtig auf uns und Eric und Adriana aus Sao Paolo/Brasilien freuten sich in Miami auf unser erneutes, spontanes Wiedersehen.

Dies war etwas, auf das wir uns richtig freuten und uns den Abschied von Lateinamerika etwas erleichterte.

Mit diesen Gedanken fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Es wird vielleicht das allerletzte Mal sein, dass wir durch die lebendigen Strassen von Managua fahren, vorbei an alten, rostigen Fahrzeugen und einfachen Pferdekutschen wie aus vergangenen Jahrhunderten. Nur knapp drei Flugstunden später landen wir in einer völlig anderen Welt, auf deren Strassen die Fahrzeuge nicht mehr mit einem Pferd, sondern mit einer Vielzahl von Pferdestärken angetrieben werden.