24. Woche – 4. März bis 7. März 2013

ISLA DE OMETEPE – die Insel der zwei Hügel (Ome= zwei, tepeth=Hügel) im Lago di Nicaragua.

Ein neues Abenteuer wartete also schon wieder auf uns…
Und es lies tatsächlich nicht lange auf sich warten! Als wir in das Boot stiegen, welches uns vom Festland in San Jorge zur Isla Ometepe bringen sollte, wussten wir: Das wird abenteuerlich!
Der Nicaragua-See ist mit über 8000 km2 etwa 16mal grösser als der Bodensee und der grösste See in Mittelamerika. Nach dem Titicaca-See ist er sogar der zweitgrösste von Lateinamerika.

Für einen See sah der Wellengang ungewöhnlich unruhig aus. Vom Lande wehte ein heftiger Wind, der teilweise orkanartige Böen mit sich führte.
Das alte Holzboot sah ebenfalls nicht gerade vertrauenserweckend aus. Als wir in den Bug des Bootes kletterten, sahen wir uralte, ausrangierte US-Schulbus-Sitzreihen, die als Sitzbänke herhalten mussten. Auf dem Boden sahen wir überall Pfützen und andere unheilvoll aussehende Dinge. Der Motor wurde mit einem Knattern und ordentlich Dieseldampf angeschmissen. Jetzt gab es für uns kein zurück mehr! Die nächsten 1,5 Stunden wurden abenteuerlich. Wir fühlten uns wie in einer Art Wasser-Achterbahn, wie sie manchmal in einem Vergnügungspark zu finden sind. Es ging heftig hoch und runter und manchmal erlitt das Schiff dabei eine gefährliche Seitenlage, so dass wir dachten, jeden Moment zu kentern. Die Wellen peitschten um uns herum und wir fühlten uns eher wie in einem heftigen Sturm auf eines der Weltmeere verwickelt, als auf einer Überfahrt zu einer Insel in einem See! Das Wasser floss von überall her in das Innere des Bootes. Nur gut, dass unsere Rucksäcke auf einem kleinen Podest lagen und deshalb einigermassen vom eintretenden Wasser geschützt waren.Es war unglaublich!

Das erst zuvor eingenommene Frühstück bewegte sich in unseren Mägen hin- und her. Plötzlich wurde Melanies Frühstück – Rührei und Brot – aus derselben Körperöffnung, wie es reingekommen ist, wieder nach draussen befördert! Sämtliche Mitreisende (zum Teil auch die Einheimischen) gaben sich nun auch dem kollektiven Brechreiz hin. Mit grüner Farbe in den Gesichtern und Plastikbeutelchen in den Händen sassen die Passagiere nun schweigend im Bug und hofften auf ein baldiges Ende der Bootsfahrt. Auch ich musste nun gegen den Brechreiz ankämpfen und mich konzentrieren, damit sich nicht mein Frühstück ebenfalls aus der falschen Körperöffnung verabschiedet.

Wir waren heilfroh, als wir den Hafen in Moyogalpa erreichten und wieder mit unseren Füssen auf festem Boden standen!

Schon direkt nach der Ankunft zog uns die Insel mit ihrem aktiven Vulkan Conception und dem erloschenen Maderas in ihren magischen Bann!

Ein freundlicher, junger Mann sprach uns im perfekten Englisch direkt an und meinte, er hätte freie Zimmer mit WiFi und einen Motorradverleih. Nun, einfacher ging es für uns nicht und so folgten wir dem sympathischen “Schlepper”.

Kurz darauf sassen wir schon auf einer etwas grösseren Enduro, die wir uns für ein paar Tage ausgeliehen haben, und tourten durch die wunderschöne Landschaft.

Wir fuhren an traumhaften Feldern vorbei, die in der Nachmittagssonne golden schimmerten und durch kleine Dörfer, die uns wegen ihrer bunten Holzhäuser und deren freundlichen Bewohnern eher an die Karibik erinnerten.
Die einzige befestigte Strasse der Insel führte uns weiter an Bananenplantagen und Baseballfeldern vorbei, auf denen sich einige Nicas in ihren Nationalsport übten. In Nicaragua ist wie auch in den Nachbarländern Costa Rica und Panama Baseball der beliebteste Sport.

Besonders magisch ist der Anblick des 1600 Meter hohen immer noch aktiven Vulkan namens Conception, der wie ein überdimensionaler Kegel vor einer einzigartigen Kulisse steht. Es hätte uns nicht besonders überrascht, wenn jetzt noch ein riesiger Dinosaurier um die Ecke angepoltert wäre. Eine Landschaft wie aus dem Jurassic Park und wir mittendrin! Der Himmel ist nahezu wolkenlos und so konnten wir den Vulkan
in seiner ganzen Pracht sehen.

Wir fuhren mit der geländetauglichen Enduro von der Strasse ab und holperten über Sandpisten und Feldwege hinweg, bis wir einen Platz mit traumhafter Aussicht gefunden hatten. Wir zückten unsere Kameras und fotografierten den Vulkan aus allen Perspektiven.

Wir fuhren weiter und konnten manchmal sogar beide Vulkane, dessen Ausläufer mit einer schmalen Landbrücke miteinander verbunden sind, gleichzeitig sehen.
Auf unserer Motaradtour waren die Vulkane unsere ständigen Begleiter, man sah sie praktisch von überall.
Besonders der aktive Vulkan begeisterte uns mit seinen vielen Gesichtern, die aus der Sicht von verschiedenen Perspektiven und durch das wechselnde Lichtspiel der Sonne entstanden.

An einem anderen schönen, sonnigen Tag sind wir mit dem Motorrad zu einem fabelhaften Jungbrunnen gefahren, der sich inmitten eines dichten Waldes befindet. Am Eingang wurden wir von einem lustigen Nicaraguaner in spanischer Sprache über die Wirkungsweise und Inhaltsstoffe des Wassers aufgeklärt. Dabei erfuhren wir, dass eine Dorfbewohnerin seit über 30 Jahren täglich ein ausgiebiges Bad in dieser mineralhaltigen und glasklaren Lagune nimmt und mit ihren 60 Jahren scheinbar wie eine 30jährige aussieht. Die Mineralstoffe sollen die Haut reinigen und straffen. Tja, das hörte sich zu schön an, um wahr zu sein! Dennoch fühlten wir uns nach einem ausgedehnten Plansch in dem klaren Gewässer tatsächlich wie neugeboren und so frisch wie eine junge Teichrose am frühen Morgen! ;-)

So waren wir wieder fit, um
wieder auf unsern motorisierten Drahtesel zu fahren. Diesmal führte uns der Weg über staubige Steinpisten und Schotterwege. Die Fahrt zum Kajakverleiher, der sich im Süden der Insel befindet, war äusserst anstrengend. Ich musste mich permanent konzentrieren und alle Muskeln anspannen, damit sich unsere Maschine nicht selbständig macht und wir abschmieren.

Als wir bei Erik, dem etwas verrückten Kajakverleiher ankammen, waren unsere Knochen richtig steif. Dennoch ging es schnurstracks ins Kajak und wir paddelten mit zwei Kanus und einem Guide über den See bis wir einen kleinen Fluss erreichten, der in den See mündet. Stromaufwärts fuhren wir durch eine wunderschöne Flusslandschaft, vorbei an dichten Wasserpflanzen, die wie grüne Teppiche über der Wasseroberfläche lagen, wo sich zwischendrin Schildkröten und Krokodile in der Sonne aalten. Unzählige Vogelarten bewegten sich im
oder über dem Wasser, um nach Nahrung zu suchen. Natur pur!
Wir paddelten denselben Weg zurück und konnten uns stromabwärts bis zum See treiben lassen. Als wir das
Ufer erreichten, schwangen wir uns wieder auf unsere Enduro und traten die Heimreise in unser knapp 50 Kilometer entfernte Hostel an, welches wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wollten.

Leider wurde uns schon nach wenigen Kilometern die sehr steinige Piste zum Verhängnis! Trotz Schrittgeschwindigkeit und voller Konzentration stürzten wir mitsamt der Maschine in einen kleinen Strassenrand, da sich das Vorderrad über einen grösseren Stein selbständig machte und
Nicht mehr zu kontrollieren war. Scheisse! Benzin lief aus und ging alles über meine Nike’s. Melanies Beine wurden bei dem Sturz in das Stein- und Kieselgeröll aufgeschürft und mir tat der Aussenriss meines Fusses höllisch weh. Nachdem wir die Maschiene zu zweit wieder hochhieften, bemerkte ich, dass der Kupplungszug gerissen und die Kette rausgesprungen war. Oh, Shit! war ich am fluchen. Ausgerechnet mitten in der Pampa, wo weit und breit keine Menschenseele zu sehen war, musste uns dass passieren. Doch wir hatten (wieder einmal) Glück im Unglück: Wir stoppten zwei Einheimische auf einem Motorrad, die ruckzuck die Kette wieder auf den Zahnrädern brachten und die Kupplung notdürftig flickten.
So fuhren wir langsam und vorsichtig bis zur nächsten “Werkstatt”. Obwohl der 1Mann-Betrieb wohl seinen einzigen Schraubendreher nicht finden konnte, gelang es uns gemeinsam mit meinem Taschenmesser einen neuen Kupplungsgriff anzubringen! Der ganze Spass hat uns nur gerade mal 4.- EUR gekostet!

Am nächsten Tag fuhren wir wieder mit einem uralten, morschen Holzkahn zurück ans Festland. Diesmal mussten wir wegen des heftigen Wellengangs einige Stunden warten, bis das Boot starten konnte. So ganz nebenbei erfuhren wir, dass vor drei Tagen erst eine Fähre auf dem See bzw. im Hafen von San Jorge gesunken ist. Gott sei Dank ohne Verletzte und Toten!

Bienvenido a Nicaragua!