23. Woche  - 1. März bis 4. März 2013

Mit der einigermassen komfortablen TICA-Buslinie reisten wir bequem von San Jose (Costa Rica) nach Nicaragua. An der Grenze mussten alle Insassen aussteigen und die Pässe bei einem Mitarbeiter der Busgesellschaft abgeben. Mit den vielen Touristen aus Costa Rica fuhren auch etliche nicaraguanische Arbeiter und Arbeiterinnen an diesem Wochenende wieder zu Ihren Familien in die Heimat zurück, weshalb reger Betrieb an der Grenzstation herrschte. Hinter dem etwa 50 Meter entfernten Maschendrahtzaun standen etliche Menschen, die irgendetwas zu uns schrien und dabei mit dicken Geldscheinbündeln in den Händen wild gestikulierten.
Aus dem Geschreie und dem zahlreichen Stimmenwirrwarr war zunächst kein einziges Wort zu verstehen. Dann aber wurde uns klar, dass die vielen Leute ihre ersparten Cordobas in Dollar tauschen wollten.

Nicaragua gilt mit seinen nur 4,7 Millionen Einwohnern und einer Landfläche von rund 130.000 Quadratkilometern sowie mit den meisten Vulkanen der Welt, als das grösste Land Zentralamerikas. Gleichzeitig ist es das zweitärmste Land nach Haiti von ganz Lateinamerika! Die Arbeitslosenquote liegt je nach Region zwischen 50-70%. Das Land hat den Status eines Entwicklungslandes.

Umso mehr waren wir auf Land und Leute in Nicaragua gespannt!

Wir warteten in der Mittagshitze auf einem überdachten, kargen Betonplatz, wo ein paar Nicas – wie sich die Einheimischen selbst nennen – Getränke, Gebäck und Früchte an die Reisenden verkauften.

Nach knapp zwei Stunden war die Einreiseprozedur erledigt und wir durften uns alle wieder vor dem Bus versammeln, wo ein nicaraguanischer Beamter
die Namen der Insassen nach Ländern sortiert vorlas und die Pässe überreichte. Wir waren erstaunt, wieviele Nationen sich im Bus befanden: USA, Nicaragua, Deutschland, Norwegen, Holland, England, Costa Rica und einige andere.

Die Fahrt ging dann zügig weiter. Die meisten Insassen wollten zur Hauptstadt Managua. Unser Ziel war jedoch San Juan del Sur, einem kleinen, aber beliebten Surfspot im Süd-Westen des Landes.

Wir baten den Busfahrer uns in Rivas rauszulassen, damit wir von da aus mit dem Taxi nach San Juan del Sur fahren konnten.

In dem kleinen Städtchen fanden wir recht schnell eine nette kleine Pension, die von einer sehr sympathischen nicaraguanischen Dame geführt und von ihrem kleinen Pitbull-Doberman-Mischling
namens Ray bewacht wurde, der mit seinem verspielten Charme schnell unsere Herzen eroberte. Ray war erst drei Monate alt und freute sich immer wie verrückt, wenn er uns sah.

Am nächsten Tag war es wieder drückend heiss, dass uns der Schweiss einem Wasserfall gleich den Rücken runterlief. Also packten wir kurzerhand die Strandtasche und liefen schnell zum Stadtstrand runter. Natürlich wurden wir im Laufe unserer Reise mit tollen Stränden verwöhnt, weshalb uns der Strand von San Juan del Sur nicht gerade umhaute. Aber trotzdem hatte der Strand seinen eigenen Charme: Einheimische Kids spielten im Sand Baseball und Fussball, ein paar Jugendliche zeigten weiter hinten ihre Beachvolleyball-Künste. Alles war irgendwie entspannt und trotzdem
in Bewegung, wie das Meer, dass sich mit regelmässigen grossen Wellen zum Strand vor und zurück bewegte. Die Nachmittagssonne setzte die ganze Kulisse noch in das richtige Licht.

Nachdem wir ein schönes Plätzchen am Strand entdeckt haben, rannten wir in die Fluten hinein und erstarrten schon nach wenigen Schritten vor Schreck! Das Wasser fühlte sich so kalt wie die Nordsee an!
Wir hatten noch das Gefühl des warmen Wasser aus dem Pazifik von Costa Rica auf unserer Haut in Erinnerung und waren umso mehr verwundert, dass nur rund 500 Kilometer nördlich, der Pazifik derart an Wärme verlor. Naja, wir gewöhnten uns daran und genossen schlussendlich die erfrischenden Abkühlung.

Als wir am Abend an einen Motorradverleih vorbeiliefen, beschlossen wir für den nächsten Tag eine Motoradtour zu unternehmen. Gesagt getan. So sassen wir die nächsten zwei Tage auf einer 200er Enduro und düsten von einem Strand zum anderen, bis uns der Arsch wehtat. Die ganze Sache war ein Heidenspass. Obwohl ich schon seit einigen Jahren keine Motorradpraxis mehr hatte, klappte alles erstaunlich gut. Eine Mordsgaudi, die wir an einer anderen Stelle erneut unternahmen.

Eines Abends trafen wir bei einem Strandspaziergang einen alten Bekannten: Preston, der
mit uns und anderen auf dem Segeltörn von Kolumbien nach Panama dabei war, schlenderte den Sonnenuntergang entgegen. Wie klein doch die Welt ist!
Wir quatschten und tauschten unsere Erlebnisse aus und bekamen den heissen Tipp, ein Motorrad auf der Isla Ometepe auszuleihen, was sowieso unser nächstes Ziel war!
Schön, am nächsten Tag starten wir zur Vulkaninsel Isla Ometepe, welche sich im zweitgrössten See von Südamerika befindet!!!
Ein neues Abenteuer wartete also schon wieder auf uns….