21./22. Woche – 31. Januar bis 5. Februar 2013

Heute sind wir der glühenden Hitze Santa Catalinas entflohen und in dem kleinen, überschaubaren Bergstädtchen Boquete angekommen. Das Städtchen wirkt auf uns wie ein nordamerikanisches Dorf. Überall grosse Pick-Ups, in den Supermärkten überall amerikanische Produkte und natürlich viele US-Besucher ! Alles ist irgendwie auf Urlauber aus den Staaten ausgerichtet.

Boquete ist für seine vielen wunderschönen Wanderwegen und für die zahlreichen heissen Naturquellen, sowie für verschiedene Extremsportarten wie Rafting, Canyonjumping, Canyoning und Klettern bekannt. Das war natürlich eines der Hauptgründe, weshalb wir in die kleine und sehr grüne Bergwelt Panamas gereist sind. Die ersten Tage verbringen wir viel Zeit im Internet, zum Relaxen und zum kochen in unserem superschönen Hostel, welches über eine riesige, saubere und voll ausgestattete Küche verfügt. So konnten wir uns mal wieder selbst kulinarisch verwöhnen.

An einem schönen, sonnigen Tag marschieren wir zu einigen naheliegenden Wasserfällen, die sich in den umliegenden Bergen befinden.
In den Wäldern leben noch einige Pumas, Tapire und andere Säugetiere.
Es geht steil hinauf! Leider hat es am Vortag ordentlich geregnet, so dass
die Wege nun sehr glitschig und matschig sind. Nach einem steilen und im wahrsten Sinne atemberaubenden Aufstieg erreichen wir einen schönen Wasserfall, der zum Baden einlädt. Die Klamotten sind schnell ausgezogen. Ich tunke erstmal vorsichtig meinen grossen Zeh in das Gewässer und… erstarre direkt vor Schreck! Es ist eiskalt! Ich wage mich trotzdem noch etwas tiefer rein. Als ich jedoch bis zu den Knien im Wasser stehe, gebe ich auf! Selbst für so hartgesottene Naturburschen wie mich, ist das einfach zu kalt! ;-)
Ich wärme mich noch etwas in der Sonne und dann wandern wir weiter. Ein schmaler Pfad führt uns durch die geheimnisvollen Nebelwälder. Wir müssen oft über umgestürzte Bäume klettern und über Bäche springen. In dem dichten Wald begegnen wir keiner Menschenseele. Als wir jedoch gerade einen kleinen Fluss überqueren und von Stein zu Stein springen, taucht plötzlich wie aus dem Nichts ein kleines Indianermädchen hinter uns auf! Im ersten Moment bekamen wir einen Schreck, da die Situation irgendwie surreal auf uns wirkte. Die Kleine amüsierte sich darüber und lacht uns freundlich an. Wir stellen uns einander vor und erfahren, dass die kleine Waldfee Perilla heisst und 8 Jahre alt ist. Ihr Haar glänzt genauso tiefschwarz wie ihre grossen Augen, mit denen sie uns neugierig betrachtet. Sie trägt ein traditionelles Kleid, dass typisch für die Indianer des Ngobe Stammes ist. Sie erzählt uns von ihren Geschwistern und der Arbeit ihres Vaters. Ihre Familie lebt einsam und allein tief im Nebelwald. Wir wandern nun zu Dritt über Stock und Stein, bis wir nach einiger Zeit auf ein altes, ziemlich verfallendes Holzhaus auf einer Lichtung treffen. Die Kleine rennt plötzlich los und verschwindet in dem etwas unheimlich (verlassen) wirkenden Holzhaus, aus dem keinerlei Laute zu hören sind. Trotz einiger Rufe nach ihr, war nichts mehr zu sehen und zu hören.

Am Nachmittag machen wir etwas schlapp und wollen wieder zurück in unser beschauliches Bergstädtchen gehen. Leider sind wir inzwischen über 13 Kilometer davon entfernt und schaffen es wohl nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit dort anzukommen.
Also heisst es nun, den Daumen in die Luft zu halten und zu hoffen, dass möglichst schnell eines der äusserst selten vorbeifahrenden Autos anhält. Melanie hält keck ihren Daumen in die Höhe und tatsächlich hält das erste (!) Auto direkt an. Eine sehr sympathische kanadische Familie mit deutschen und holländischen Vorfahren nehmen uns mit ihrem grossen Jeep direkt bis zu unserem Hostel mit! Was für ein Glück! Die Fahrt ist kurzweilig und spannend. Wir erzählen uns gegenseitig viel von unseren Reisen und erfahren so, dass die Familie mit vier Kindern (!) vor 3 Jahren mit dem Auto, in dem wir gerade sitzen, von Toronto in Kanada bis nach Panama gefahren sind! Respekt! Als wir im Ort angekommen sind verabschieden wir uns herzlich dankend von der Familie und wünschen uns gegenseitig alles Gute.

Am nächsten Tag wollen wir das Adrenalin in unseren Adern spüren! Canyonjumping steht heute auf dem Programm! Etwa eine Busstunde von Boquete entfernt, befindet sich ein typischer Canyon, der durch einen kleinen Fluss gespaltet ist. Das Steinmassiv ist zwar nicht ganz so hoch wie der Gran Canyon, aber dennoch hoch genug, um einen ordentlichen Adrenalinkick zu verschaffen!
Ausserdem ist der Canyon ziemlich schmal, einige mutige Einheimische springen sogar von einer Seite zur anderen Seite!

Ich stehe jetzt mit Herzklopfen am Rand des Canyons, blicke runter auf das Wasser und denke: “Oh, Scheisse!” Es ist doch etwas höher, als gedacht. Jetzt geht es nur noch darum “Mann” oder “Weichei”! Ich entscheide mich für das Erstere und stürze mich mit einem lauten Schrei in den Abgrund! Mit einem satten Platscher lande ich im angenehm warmen Wasser und lass mich stromabwärts bis zum nächst besten erreichbaren Ufer treiben! Ich laufe den Canyon entlang zurück, um das ganze nochmal
von einer höheren Stelle aus zu wiederholen! Herrlich, dieser Kick! Auch Melanie, als geübte Brückenspringerin ziert sich nicht lange und springt von den Klippen!

Mit diesen Kicks beenden wir unseren Ausflug in der schönen Bergwelt Panamas und freuen uns auf die Koralleninseln von
Bocas del Toro, zu denen wir
am nächsten Morgen aufbrechen wollen!