20. Woche – 17. bis 24. Januar 2013

Heute freuen wir uns einerseits den dreckigen Ort Taganga zu verlassen, andererseits verlassen wir auch ungern unsere supergeniale Hostelanlage. Für uns war das “Casa de Felipe” einfach unser Hostel No. 1!!!

Nach nur 5 Stunden Busfahrt erreichen wir Cartagena und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus! Was für eine Stadt! Einerseits superclean und modern und auf der anderen Seite eine historische Altstadt, wie wir sie so noch nie gesehen haben. Alles wurde akribisch renoviert, wenig Müll und alles safe! Hier sieht man, dass es auch anders geht! Die Auswahl an internationalen Restaurants ist gigantisch. Die Preise sind für europäische Verhältnisse noch gerade so ok, für uns Traveller aber schon eher grenzwertig.

Eine wunderschöne Stadt wie aus dem Bilderbuch! Deshalb wird sie auch nicht umsonst die Perle der Karibik genannt!

Abends lernen wir einen Mannheimer kennen, der hier in Cartagena in einer deutschen Bar gestrandet ist und schon seit einigen Monaten in der Stadt lebt. Von dem Barkeeper hören wir interessante Geschichten von und über Kolumbien, bzw. Cartagena.
So erfuhren wir, dass innerhalb der Stadtmauern des historischen Zentrums alles sicher ist und es sich gut leben lässt. Ausserhalb der Stadtmauern kommt es jedoch häufig zu Raubüberfällen und als Traveller sollte man sich besser innerhalb der Stadt aufhalten. Good to know! Meistens ist es nämlich anders herum…

Am nächsten Tag lernen wir unseren Skipper und die Segeltruppe kennen. Gisbert, ein erfahrener Segler aus Bautzen, erklärt uns den ganzen Törn zu den paradiesischen San Blas Inseln und wir machen uns mit den anderen Mitseglern bekannt. Mit vier Norwegern, einem Pärchen aus England und einem Pärchen aus der Schweiz, ein Holländer, zwei US-Amerikanern, zwei Australier und einem Argentinier gehen wir morgen an Board der Santana, ein schönes Katamaran, dass zwar schon ein paar Jahre auf den Buckel hat, aber gut in Schuss ist!

Am Abend verabschieden wir uns von Cartagena und Südamerika mit einem ungewöhnlichen Dinner! Mein Weihnachtswunsch wurde erfüllt: Es gab in einem schweizer Restaurant handgeschabte Spätzle (!) und Paulaner Hefeweizen! Wahnsinn!!! Zum Abschluss gab es noch Laugenbretzeln dazu… unglaublich! So lassen wir den Abend schön ausklingen und freuen uns auf den morgigen Segeltörn ins Paradies!

Nachdem wir am nächsten Morgen ausgiebig geschlafen haben, packen wir wieder einmal unsere Rucksäcke zusammen und kaufen noch ordentlich Proviant für unsere Segelreise ein. Wir wollen ja schliesslich nicht in den kommenden 5 Tagen auf dem Trockenen sitzen! ;-)

Wir treffen Gisbert und unsere internationalen Mitsegler wie vereinbart an einem Bootssteg im Hafen von Cartagena, der von hochmodernen Wolkenkratzern umgeben ist. Irgendwie stelle ich mir so den Yachthafen von Miami vor!

Unsere Rucksäcke und unser Proviant wird verstaut und die “Zimmer” verteilt. Wir sind mit einigen anderen auf dem oberen Deck untergebracht, was uns sehr recht ist. Es ist darin angenehm luftig und man kann vom Bett aus nachts den Sternenhimmel beobachten!

Die Sonne steht schon sehr tief und scheint zwischen zwei Wolkenkratzern hindurch und lässt den Hafen und die Altstadt in einem goldenen Glanz erstrahlen.

Eine tolle Abendstimmung umgibt uns, der ideale Zeitpunkt um zu starten.
Die Segel werden gehisst, der Anker eingefahren und los gehts!

Es ist so ein besonderer Moment, als wir im abendlichen Sonnenlicht lossegeln und die golden schimmernde Skyline von Cartagena hinter uns lassen. Jeder an Board scheint in seinen eigenen Gedanken versunken zu sein. Für uns bedeutet dieser Segeltörn der endgültige Abschied von dem Abenteuer Süd-Amerika! Fast 5 Monate haben wir in den faszinierenden, südamerikanischen Ländern verbracht und uns oft wie “zuhause” gefühlt und dabei unzählige Abenteuer erlebt.
Mit etwas Wehmut blicke ich auf diese tolle Zeit zurück und freue mich gleichzeitig aber auf die uns noch bevorstehenden Abenteuer!

An Bord ist es nun völlig still. Nur das sanfte Brummen des Motors ist zu hören und das Flattern der Segel. Die Skyline von Cartagena ist nur noch ganz klein zu sehen und verschwindet mit der Sonne langsam aber stetig am Horizont.

Wir fahren weit raus auf das offene Meer. Nach wenigen Stunden haben wir das Gefühl, alleine auf dem Ozean zu sein. Kein Land, keine Insel und auch keine anderen Schiffe sind weit und breit in Sicht! Zügig treibt unser Katamaran über die teilweise grossen Wellen dahin, mit direktem Kurs auf die fast 300 Seemeilen entfernten San Blas Inseln.

Als sich alle schlafen gelegt haben und Gisbert, der Skipper den Autopilot eingeschaltet hat, gehe ich nochmal raus auf das Deck, um ein wenig “Nachtwache” zu halten. Weit und breit kein Schiff und kein Licht in Sicht. Im mystischen Schein des Vollmondes sind nur die dunklen Wellen des Ozeans zu erkennen. Ich trinke noch ein Bier und schaue in die dunkle Nacht hinaus. Das Meer ist ziemlich rauh und grosse Wellen erfassen immer wieder unser Boot, dass daraufhin mitsamt seinem “Inhalt” ordentlich durchgeschüttelt wird. Einige Zeit später ziehe ich mich wieder ins Bett zurück und kann trotz des unruhigen Seegangs schnell einschlafen.
- Fortsetzung folgt -