18.Woche 30.Dezember 2012 bis 7. Januar 2013

Zum Jahresabschluss reisen wir zur Abwechslung mal mit einer komfortablen Buslinie namens “Navette” von San Augustin zurück in die kolumbianische Hauptstadt und 8-Millionen-Metropole Bogota. Anders als bei der Hinreise (wir berichteten) haben wir diesmal ein richtiges “Luxusschiff” erwischt.
Die attraktive Stewardess versorgt uns mit Kissen und Decken, damit wir uns es richtig bequem machen können! Wir schlafen die Nacht durch und kommen am frühen Morgen im schon sehr lebendigen Bogota an.

Unser Hostel befindet sich in der historischen Altstadt, welche an einem Hang liegt. Somit haben wir eine tolle Fernsicht und eine schöne Aussicht auf die Stadt.

Bei unserem ersten Rundgang durch die City fällt uns auf, dass hier sehr viele Polizisten und auch Soldaten für Recht und Ordnung sorgen, so dass wir uns relativ sicher fühlen und weitgehend sorglos durch die Strassen ziehen können. Während unserer Reise durch Kolumbien (und auch Brasilien) trafen wir immer wieder auf sehr freundliche und hilfsbereite Polizisten und Soldaten, womit wir eigentlich eher nicht gerechnet haben. Schliesslich ist gerade in diesen Ländern die Korruption besonders hoch und die Polizei stand in der Vergangenheit in einem schlechten Ruf da. Es scheint sich aber vieles zu ändern…

Leider fühlen wir uns in “La Candelaria”, wie das historische Viertel genannt wird, nicht ganz so sicher. Nachts zieht sich die Polizei zurück und viele Gestalten aus den ärmeren Nachbarvierteln ziehen durch die Gassen umher. Sicherlich sind die meisten Rumtreiber eher harmlos, aber dennoch ist uns etwas mulmig zumute. So bleiben wir nach Einbruch der Dunkelheit meistens in unserem netten Hostel, dass über einen schönen Fernsehraum mit offenem Kamin verfügt.
Tagsüber kann man in Bogota gut und günstig shoppen. Im Stadtzentrum, wo die meisten Einheimischen einkaufen, sind Schuhe und Elektronikartikel besonders günstig. Aber auch Lebensmittel und Getränke erscheinen uns zum ersten Mal auf unserer Reise als relativ günstig. Was unserem Travellerbudget natürlich besonders gut bekommt!

Obwohl die alten Holzdielen in den Zimmern knarzen und quietschen, können wir in unserem rustikalen Schlafraum hervorragend ausschlafen.

An nächsten Abend treffen wir uns abends mit Leo, einem Bekannten aus Bogota der letzten Sommer schon in Stuttgart bei uns Gast war, in einem trendigen Stadtviertel namens Zona Rosa. Wir verabreden uns vor dem Eingang eines Shoppingcenters und sind über die Anzahl der vielen luxuriösen Geschäften überrascht. Soviel Luxus auf einmal haben wir in ganz Südamerika noch nicht gesehen!
Auch die Menschen sind hier völlig anders gekleidet, als wir es bislang von unserer Reise gewohnt waren. Man zeigt sich hier gerne in Nobelgarderobe und präsentiert stolz sein Hab und Gut. Von der Edelkarosse bis zum Silikonpüppchen.
Gerade hier fällt uns ganz besonders extrem die riesige Kluft zwischen Reich und Arm auf!
Die Strassen sind durch den unendlich vielen bunten Weihnachtsklimbim dermassen hell beleuchtet, dass man sich wie inmitten einer Szene aus der kitschigsten, amerikanischen Weihnachtsmovie vorkommt. Schneemänner, Zuckerstangen, Weihnachtsmänner mitsamt Rentieren, die heiligen drei Könige sowie das halbe Bibelprogramm präsentieren sich figürlich von überall in bunten und blinkenden Lichtern.
Diese Gegend ist als Shopping- und Vergnügungsmeile bekannt und sehr beliebt. Trotzdem empfanden wir die Gegend eher künstlich und steril, irgendwie sogar langweilig. Der Abend war trotzdem lustig und interessant, allerdings auch etwas teuer. ;-)

Die Sylvesternacht verbringen wir bei der Familie unseres kolumbianischen Bekannten, die uns zum essen und feiern eingeladen haben. Als wir unsere Hostelmanagerin die Adresse zeigen und nach dem Weg fragen, ist sie etwas besorgt und will wissen, was wir in dieser Favela in der Sylvesternacht wollen. Favela? Wir sind sehr erstaunt und können uns nicht vorstellen, dass Leo und seine Familie in einem Slum wohnen. Die Managerin meint, es sei unter Umständen sehr gefährlich. Mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Magengrube steigen wir dennoch ins Taxi und fahren los. Nach etwa nur 20 Minuten halten wir vor einem sehr grossen Haus an. Wir sind da! Die Gegend selbst können wir aufgrund der Dunkelheit nur schwer abschätzen. Einige Leute stehen aber auf der Strasse und unter ihnen entdecken wir Leo! Alles scheint in Ordnung zu sein und wir vermuten, dass sich unsere Hostelmanagerin einfach nur in der Adresse geirrt hat. Was bei den Strassenbezeichnungen auch kein Wunder ist: In ganz Kolumbien bestehten die Strassenbezeichnungen nämlich nur aus Ziffern und Buchstaben!

Die Familie ist sehr nett und weiht uns in einige kolumbianischen Rituale ein, wie zB. dem Traubenessen (12 Trauben für die kommenden 12 Monate, mit jeder Traube wird ein Wunsch erfüllt) oder dem “Kofferrennen” (Punkt 12 rennen viele Kolumbianer mit einem leeren Koffer um einen Platz herum – es soll den Koffer mit Glück und Geld füllen).

Die Sylvesternacht beginnt feuchtfröhlich mit gutem Champagner und endet gegen 2Uhr morgends im Gästezimmer der Familie, da kein Taxi mehr aufzutreiben war.

Am Neujahrstag hängen wir etwas in den Seilen und beschliessen daher, einen kleinen Ausflug zu dem auf 3200 Meter hoch und doch sehr nah liegendem Montserrat zu unternehmen und dabei etwas frische Luft zu schnuppern.
Die Aussicht ist phänomenal!
Man kann fast über die gesamte Stadt blicken und sieht ringsum die Bergketten der Andenausläufer.

Am nächsten Tag fahren wir in das nur eine Stunde entfernte Zipaquira und besichtigen die Salzkathedrale, eine komplett aus Salz gebaute Kirche in einer Salzmiene. Diese unterirdische Kirche gehört zu den grössten religiösen Bauwerken der Welt. Unglaublich schön, mit tollen Farbspielen.

Nach fast 4 Tagen haben wir genug von der Grosstadt und wollen wieder das ländliche und ruhige Kolumbien entdecken.
So machen wir uns nun auf den Weg in die fruchtbare, ländliche Pampa, der sogenannten “Zona Cafeteria”, wo nicht nur Kaffee- und Kakaoplantagen zu finden sind, sondern auch alles andere angebaut wird.

Wir landen in dem schönen Städtchen Salento, dass als eines der schönsten von ganz Kolumbien gilt.

Leider wurde nichts aus einem ruhigen Landurlaub. Das Städtchen feiert ihr 125jähriges Bestehen mit einer 10Tage andauernden Fiesta! Anfangs finden wir das alles sehr interessant, überall sind Ess- und Trinkstände sowie Tanz- und Showbühnen aufgebaut und es herrscht eine gutgelaunte Partystimmung in der ganzen Stadt. Leider kennen die Kolumbianer beim feiern kein Ende! Es geht morgens um 9 Uhr los und endet erst wieder am darauffolgenden Morgen um 4 Uhr! Für uns bedeutet dass keinen erholsamen Schlaf in der Nacht. Die Boxen hämmern pausenlos und die verschiedenen Sänger auf den Bühnen wollen einfach nicht müde werden. (Vielleicht nehmen die Kolumbianer einfach nur zuviel von dem weissen Pulver ein???)

Das Städtchen selbst ist tatsächlich sehr schön und ist umgeben, von einer üppig-grünen Landschaft mit vielen Hügeln. Wandern durch die abwechslungsreiche Vegetation macht hier richtig Spass und wirkt nach den anstrengenden Nächten sehr erholsam auf uns!
Die Klimabedingungen und die fruchtbaren Böden sorgen hier für eine unglaublich vielfältige Fauna und Flora, wie sie weltweit nur selten zu finden ist.
Wir haben das Gefühl durch Bayern oder die Schweiz zu wandern, mit nur einem Unterschied: an den Hängen grasen Kühe und am Kamm stehen 60 m hohe Wachspalmen. Das wirkt schon fast sureal!

Nach 5 Tagen in der wunderschönen Natur zieht es uns wieder in die Grosstadt!
Auf geht’s nach Medellin!
Die – Dank Pablo Escobar -ehemals gefährlichste Grosstadt der Welt und inzwischen modernste Stadt Kolumbiens wollen wir für ein paar Tage besuchen.