17. Woche – 23. bis 30. Dezember 2012

Nach dem wir in Tabatinga uns einen Ausreisestempel besorgt haben, fahren wir mit einem Collektivo (dem ältestesten und rostigsten VW-Bus, den wir je gesehen haben!) nach Leticia. Fast hätten wir die Grenze nicht bemerkt, da die beiden Städte ineinander über gehen. Wir sind mitten im Amazonasgebiet, aber trotzdem merken wir an den Leuten, das wir ein neues Land betreten haben. Es gibt unheimlich viele schlanke hübsche Frauen und es wird überall laute Musik gespielt. Die nächsten Tage wollen wir es erst mal ruhiger angehen lassen. Am Heiligabend, als wir vom Essen ins Hostel zurück kommen, können wir kaum ein Wort wechseln, weil die Nachbarn auf der Veranda 2 Monsterboxen aufgebaut und kolumbianische Volksmusik bis zum Anschlag voll aufgedreht haben. Anfangs dachten wir, dass er die Anlage nur mal eben testen wolle. Aber leider täuschen wir uns, der Monstersound begleitet uns die ganze Nacht und noch bis bis zum nächsten Nachmittag Nonstop! Über 24 Stunden Dauerbeschallung am Heilig Abend! Von wegen besinnliche Weihnachten! An Schlaf war nicht zu denken. Es war so, als hätte man unser Bett bei “Rock am Ring” direkt neben den Boxen aufgetellt, nur eben statt Rockmucke Volksmusik vom Feinsten!

Die Columbianer scheinen gerne, lange und laut zu feiern und dazu reichlich Bier zu trinken.

Als wir am nächsten Morgen beim Nachbarn vorbeilaufen, sehen wir drei regungslose Männer und unzählige Mengen von Bierdosen auf der Veranda rumliegen. Die Musik dröhnt immer noch gnadenlos aus den Boxen. Inzwischen haben sich auch Wertstoffsammlerinnen eingefunden um die vernichteten Bierdosen einzusammeln.

Unser Bedarf an traditioneller, kolumbianischer Volksmusik wurde in diesen Tagen ein für allemal gedeckt!

Am 26.Dezember machen wir uns dann auf den Weg nach San Augustin, einem beschaulichen Ort in den Bergen.

Uns ist allerdings etwas mulmig zumute, da wir total vergessen hatten, uns in Leticia den Einreisestempel abzuholen. Jetzt halten wir uns schon praktisch 3 Tage illegal in Kolumbien auf. Das könnte Ärger geben! Herve, der Schweizer Besitzer unseres Hostels erklärt uns, das es andersherum (Einreise nach Brasilien) richtig Ärger gegeben hätte, aber nach Kolumbien ist es wahrscheinlich nicht ganz so schlimm!
Am Flughafen holen wir uns den Stempel im Büro der Policia Federal und haben Glück. Die nette Dame scheint sich überhaupt nicht für unsere Pässe und Stempel zu interessieren, oder wir sehen einfach soooo nett aus. ;-)

Wir sind jetzt schon länger nicht mehr mit dem Bus gereist, weshalb wir mal wieder direkt die harte Tour auf uns nehmen. Wir fliegen am nachmittag zuerst nach Bogota um dann direkt zum Busbahnhof zu fahren und zu hoffen, noch ein Busticket für den Nachtbus nach San Agustin zu ergattern. Wie befürchtet, ist aufgrund der Urlaubszeit die Hölle los am Busbahnhof, ein Gedrängel und Geschreie. Es ist Hauptreisezeit in Kolumbien und es werden scheinbar alle Busse eingesetzt die verfügbar sind. Nach einiger Zeit an Schlangestehen haben wir eines der letzten Tickets nach San Augustin erstehen können.

Als es dann 2 Stunden später endlich losgeht und wir in den Abfahrtsbereich kommen, können wir nicht glauben, was hier los ist. Alles drängelt und zwängt sich durch eine enge Glastüre, hinter der es dann zum Bus geht.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir im Bus. Dieser scheint extrem alt zu sein. Aber die Plätze vorne sind ok. Leider kommt es zu einem riesigen Durcheinander, da andere Leute die gleichen Platznummern haben. Anfangs können wir uns noch durchsetzen. Leider beharrt eine Familie auf ihren Plätzen. Zur Schlichtung wird eine Assistentin von der Busgesellschaft herbeigerufen, die aber auch nichts klären konnte.
Leider verwies sie uns nach langer Diskussion auf andere Plätze hin. Dummerweise befinden sich diese in der letzten Reihe. Es sind richtige “Arschkartensitze”, da sich die Rückenlehnen nicht verstellen lassen und es somit brutal eng ist.

Peter mit seiner Platzangst hat richtig zu kämpfen. Ich versuche noch zu diskutieren aber der Fahrer fährt einfach los und macht das Licht aus während ich mitten im Gang stehe. Neben uns sitzen zwei junge Männer mit jeweils einem ca. 8 jährigen Mädchen auf dem Arm und schlafen. Ich bekomme ständig einen Arm oder Bein des Mädchens ab. Bestimmt habe ich hinterher alles voller blauer Flecken;-) Die Krönung ist aber die Klimaanlage. Erst kühlt sie wie verrückt und Nach ca. 1 Stunde fällt die Klimaanlage komplett aus. Wir sitzen direkt auf dem Motor und es wird so heiss wie in einer Sauna. Nach ca. 8 Stunden machen wir eine Tankpause und Peter und ich können mal frische Luft schnappen. Der Fahrer scheint das Problem jetzt auch zu merken und fummelt an irgendetwas rum. Die letzten 3 Stunden haben wirs dann wieder etwas kühler! Und sind froh endlich in San Agustin zu sein.

San Agustin ist einzigartig auf der Welt mit seinen fünfhundert in Stein gehauenen Riesenstatuen, die als Grundlage die Mythologie der einheimischen Bildhauer haben.
Die Wurzeln dieser Kultur reichen bis ins 7. / 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. San Agustín liegt inmitten der Anden, an einer Abflachung des Amazonastieflandes.

Wir beziehen unsere Hütte im Ökohostel Casa del Sol, mit einem tollen Panoramablick auf die vor uns liegenden Berge.

Die Hütte ist einfach, aber geschmackvoll. Sie liegt am Rande des Grundstücks an einem Berghang.

Am Nachmittag machen wir uns dann auf, um den ersten Teil der Steinstatuen zu erkunden. Im archeologichen Park spazieren wir zu den einzelnen Statuen welche beeindruckend in der ganzen Gegend verstreut zu finden sind. Am nächsten Tag machen wir eine Jeeptour, zusammen mit einer Famile aus Bogota. Ein älter Herr fährt mit uns die abenteuerlichen Strassen zu den Einzelnen Archeologischen Stellen und zu 2 Wasserfällen.
Wir halten an einer Zuckerrohrverarbeitung an und lernen, wie Panela hergestellt wird. Aus dem Zuckerrohr wird der Saft gepresst und dann gekocht, lange gerührt, bis es ganz klebrig ist. Wenn es trocken ist, wird die Masse fest und in Blöcke geschnitten. Es schmeckt sehr lecker, wie karamell und wird in Kolumbien viel verwendet. Wir bekommen oft Agua de Panella mit Limone angeboten, was aber nicht zu unseren Lieblingsgetränken gehört.

Die ganze Tour dauert fast 10 Stunden und nachdem wir die ganze Zeit durchgeschüttelt wurden, freuen wir uns auf einen ruhigen Abend in unserer Hütte. Leider habe ich die Zugluft im Jeep ( oder die Sauna und Klimaanlage im Bus hierher) nicht vertragen und es kündigt sich schon eine kräftige Erkältung an. Aber das Wildwasserrafting am nächsten Tag lassen wir uns deshalb nicht entgehen.

Der Río Magdalena entspringt in der Zentralkordillere in der Nähe der archäologischen Zone San Agustín. Der Strom misst an der engsten Stelle nur 1,7 m. Anschließend fließt der Magdalena nach Norden in die Ebene, die die Zentralkordilleren von den Ostkordilleren trennt. So teilt er praktisch das Gebirge. Der Strom fließt nach Norden und bei Barranquilla in das Karibische Meer.

Wir fahren mit einem Jeep zu dem schwerzugänglichen Ufer des Rio Magdalena und werden in 2 Booten mit jeweils 6 Personen plus Guide und dem Chef im 1er kajak, ca 1 1/2 s
Stunden den Rio langfahren und Stromschnellen der Stufen II bis IV durchfahren.

Was für ein Spass! Im Nachbarboot sind öfters welche über Bord gegangen, aber wir waren die Vollprofis und haben jede Stromschnelle gemeistert. Also ich glaube wir werden zu Raftingfans! Und hoffen, bald wieder die Möglichkeit zu haben.

gut das Ihr nicht hören könnt, wie laut es hier ist

in unserem Ecohostal

Aus dem Zuckerrohr wird Saft gepresst und dieser wird gekocht, bis eine klebrige zähflüssige Masse entsteht.