Heute geht es mit einem kleinen Propellerflugzeug von Manaus nach Tabatinga, einem kleinen Städtchen, dass sich mitten im Amazonasgebiet im 3-Länderdreieck Brasilien, Peru und Kolumbien befindet.

Tabatinga grenzt direkt an das quirlige Städtchen Leticia in Kolumbien und wird unsere letzte Station in Brasilien sein. Nach 9 erlebnisreichen Wochen werden wir dieses riesige Land nun endgültig mit etwas Wehmut verlassen und die nächsten Wochen kreuz und quer durch das nicht weniger spannende Kolumbien reisen!

Die Propeller unserer Maschiene fangen mit einem Brummen an sich zu drehen. Unser kleines Flugzeug ist etwa nur zur Hälfte besetzt und startklar. Der Start in den Himmel läuft viel ruhiger ab, als wir dass dem kleinen Flieger zugetraut hätten.

Aus der Vogelperspektive heraus sehen wir auf Manaus hinunter und staunen, welche Ausmasse diese Stadt mitten im Regenwald angenommen hat.

Nach ein paar Minuten sehen wir aus wenigen Hundert Metern Höhe nur noch die Baumkronen des dichten und grössenteils undurchdringbaren Regenwaldes.

Während des zweistündigen Fluges denke ich zurück an die vielen fantastischen Wochen in Brasilien, die berauschende Natur und Tierwelt, die meistens sehr gut gelaunten und hilfsbereiten Menschen und an die pulsierenden Megacities wie Sao Paulo oder Rio de Janeiro.

Als wir von Argentinien nach Brasilien reisten beschränkte sich unser portugiesischer Wortschatz noch gerade mal auf 5 Worte. Wir merkten schnell, dass Englisch leider nur sehr selten verstanden wird.

Regelrecht erschlagen hat es uns allerdings, als wir nach wenigen Tagen feststellten, dass wir uns mit unseren Spanischkenntnissen praktisch nicht verständigen können. In Brasilien können nur wenige Menschen auf spanisch kommunizieren! Dies war für uns die grösste Überraschung, da sich doch die beiden Sprachen zumindest in ihrer Schrift sehr ähnlich sind.
Die Aussprache des brasilianischen Portugiesisch aber ist nahezu vollständig anders als die der spanischen Sprache. Es wird oft mehr gesungen als gesprochen. Wir verstanden anfangs kein Wort und fühlten uns etwas hilflos, als nicht mal die einfachsten Fragen von uns beantwortet werden

Mit viel Körpereinsatz, Zeichensprache und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht erreichten wir meistens aber dennoch unser Ziel.

Noch einfacher wurde die Kommunikation als wir von den Zauberwörtern “Tudo bem?” und “Tudo bem!” hörten. Mit diesen beiden Wörtern geht (fast) alles. Man hört diese Wörter überall: Auf den Strassen, beim telefonieren, im Hotel und im Supermarkt.
Es kann je nach Situation alles bedeuten: “Wie gehts?” “Alles ok?” “Brauchst Du Hilfe?” “Alles klar?” genauso wie “Alles gut!” “Geht schon” “Macht nix” oder aber auch in Verbindung mit Zeichensprache “Ich möchte gerne zwei Brötchen, bitte!” Ausserdem reflektieren diese Worte die typische Freundlichkeit und Gelassenheit der Brasilianer wieder.

Während unserer ganzen Tour durch das riesige Brasilien (etwa die 20fache Grösse von Deutschland!) trafen wir fast überall nur freundliche und hilfsbereite Menschen. Besonders uns Deutschen gegenüber waren die Menschen äusserst freundlich. Neugierig wurden wir oft über den deutschen Fussball sowie Politik, Musik und Kultur aus Deutschland befragt. Ausserdem trafen wir an den ungewöhnlichsten Orten wiederum Brasilianer, die in einem nahezu perfekten Deutsch mit uns sprachen. Ich erinnere mich gut daran, wie wir z.B. in Salvador einige Probleme zu klären hatten und mangels ausreichenden portugiesichen Sprachkenntnissen zu keiner Lösung kamen. Doch wie aus dem Nichts heraus, standen uns plötzlich hilfsbereite und deutschsprechende (!) Brasilianer zur Seite!
“Tudo bem!” – Alles war wieder in Ordnung!

Die Brasilianer sind ein buntes Völkchen. Alle Hautfarben und zahlreiche Nationen leben hier zusammen. Die meisten Einwanderer stammen aus Lybien, Japan, Deutschland, Frankreich und Italien. Viele Brasilianer und Einwanderer lernten wir auch persönlich kennen und erfuhren dadurch viel über das Leben in Brasilien.

Durch den anhaltenden Wirtschaftsboom ist vieles sehr teuer geworden. Die Preise sind vergleichsweise ähnlich wie in Deutschland.
Lebensmittel sind oft noch teurer als zuhause.
Wegen der anstehenden WM und Olympia werden die Preise noch weitersteigen.

Wir haben viele reiche Regionen gesehen und wohlhabende Menschen kennengelernt, aber genauso haben wir auch die arme Seite Brasiliens kennengelernt. Menschen ohne Hoffnung, verwahrloste Kinder, Crackzombies und zahlreiche Bettler sind leider fast überall zu sehen. Von der viel in den Medien berichteten Kriminalität haben wir dennoch – Gott sei Dank! – nichts zu spüren bekommen.

Ansonsten haben wir Brasilien wie aus dem Bilderbuch kennengelernt:

Fantastisches Wetter, hunderte Kilometer von Traumstränden, leckere Caipirinhas, faszinierende Metropolen, eine berauschende Natur mit einer wunderschönen Tierwelt und gut aufgelegte Brasilianer, die meistens sehr freundlich und hilfsbereit sind.

Allerdings war das Essen im allgemeinen sehr einseitig (Reis mit Hühnchen gibt es an jeder Ecke) und oft ungesund (viele Kohlenhydrate, viel Fleisch, fettiges Speisen wie Teigtaschen, frittierter Fisch, Pommes, wenig Gemüse etc.). Kein Wunder, dass in Brasilianer jede(r) Zweite(r) übergewichtig ist!

Die Artenvielfalt in den Wäldern Brasiliens ist trotz der täglich voran schreitenden und ganz bewussten Umweltzerstörung immer noch gigantisch. Leider sorgen die Fleisch- und Holzmafia weiterhin dafür, dass diese Naturparadiese und Artenvielfalten stetig abnehmen. Die brasilianische Regierung unternimmt zwar viel in Sachen Umweltschutz und hat den Kampf gegen die Holzmafia angesagt. Doch die Bemühungen seitens der brasilianischen Regierung alleine reichen bei weitem nicht aus um den Regenwald (und somit auch uns!) dauerhaft zu schützen.
Solange die Konsumenten in den Industrieländern weiterhin noch mehr Tropenholz und Fleisch verlangen, wird noch mehr abgeholzt, um Platz für Weideflächen und den Anbau von Futtermittel zu schaffen.

Trotz einer riesigen Recyclingindustrie und Umweltunterricht in den Schulen, liegt praktisch überall Müll herum. Selbst an den schönsten Stränden haben wir Müll und angespülten Dreck gefunden. Die (meistens) Brasilianer nehmen es gelassen, es scheint keinen zu stören.

Zum Schluss möchten wir noch mit einem Klischee aufräumen: die Copacapana-Schönheiten und brasilianischen Topmodels sind scheinbar verschwunden! An den Stränden von Rio tummeln sich fast nur noch fette Menschen, davon auffällig viele übergewichtige Frauen herum. Die berühmten Riopants oder der obligatorische Bindfaden zwischen den Backerln ist aber leider trotz der schwabbelnden Massen immer noch allseits beliebt und wird gerne präsentiert! ;-)
So haben wir uns das nicht vorgestellt!
Fazit: Tudo bem!
Brasilien hat unglaublich viel zu bieten. Man bräuchte Monate um das ganze Land zu entdecken

Mel y Jo in Florianapolis

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