16. Woche – 23. bis 29. Dezember 2012

Nachdem wir unser Dschungelcamp abgebaut haben, geht es wieder mit dem Boot zurück in unsere Lodge.

Die Sonne brennt schon wieder am frühen Morgen auf uns herunter. Wir freuen uns jetzt deshalb umso mehr auf einen Sprung in den Fluss und auf eine anschliessende frische Dusche !

Kaimane sind keine in Sicht, weshalb wir uns schnell mit einem Kopfsprung in den Rio Marmosa stürzen, der heute erstaunlich angenehm frisch ist.

Nachdem wir frisch geduscht haben, relaxen und chillen wir am Bootssteg und schauen den Delfinen zu, die direkt vor uns immer wieder auftauchen. Plötzlich springt ein rosa Delfin komplett aus dem Wasser. Niemand weiss so richtig, woher diese Delfine eigentlich stammen. Es wird vermutet, dass die eigentlichen Meeressäuger vor vielen Jahren irrtümlich in den Fluss geraten sind und sich dort anpassten.

Am Nachmittag geht es dann mit dem Boot ein paar Kilometer flussaufwärts zu einer einheimischen, indigen Familie. Dort lernen wir einiges über den Anbau von Kaffee, Kakau, Acai (süss-saure Frucht) und verschiedenen Kräutern sowie den in Brasilien sehr beliebten Manjok (aus dem eine mehlähnliche Substanz hergestellt wird, die man zum panieren und fritieren verwendet, aber auch pur gegessen wird) kennen.

Die Familie lebt in sehr einfachen Verhältnissen, ohne Strom und Warmwasser. Das Haus ist auf Stelzen gebaut und besteht nur aus Holzbrettern und einem Wellblechdach. Es hat keine Glasfenster, sondern nur Holzläden. Der Boden besteht aus Holzdielen. Durch die Ritzen zwischen den Dielen werden einfach Essensreste, Krümel und Schmutz mit dem Besen nach unten geschoben, wo sich die Hühner aufhalten.

In dem Haus, das aus 2 Zimmern und einer winzigen Küche mit insgesamt ca. 30 Quadratmetern besteht, ist es sehr heiss und eng. In dem kleinen Schlafraum sind Hängematten in Reih und Glied aufgespannt, wo der etwa siebzigjährige Vater mit seiner um etliche Jahre jüngeren Frau sowie einem kleinen Sohn und zwei Töchtern im angehenden Teenageralter schlafen. Das WC befindet sich ausserhalb in einer kleinen Holzhütte, die nur mit einer “Fallgrube” versehen ist.

Für uns sind diese Zustände sehr fremd und irgendwie bedenklich. Daher sind wir auch froh, dort nur eine Nacht verbringen zu müssen.

Die Dschungelfamilie wirkt auf uns zwar freundlich, aber sehr zurückhaltend. Ein richtiger Austausch findet leider nicht statt. Die ganze Situation ist nicht nur uns, sondern auch der Familie etwas fremd. Besuch von “Weissen aus der reichen, westlichen Welt” ist für diese Leute neu und ungewohnt. Nachdem aber die Kids Vertrauen gefasst haben, tauten auch die Frauen etwas auf und die Stimmung hellte sich auf.

Ziemlich früh legen wir uns schon in unsere Hängematten, die wir im
“Wohnzimmer” des Hauses aufgehängt hatten. Anfangs ist es trotz der geöffneten Holzläden sehr stickig und heiss. Die vergangenen, anstrengenden Tage sorgen dafür, dass wir trotzdem schnell einschlafen. Genauso schnell erwachen wir allerdings wieder, als über uns der Himmel seine Schleusen öffnet und dicke, fette Regentropfen ohrenbetäubend wie Salven aus einem Maschinengewehr auf das Wellblechdach niederkrachen. Das ganze Getose wird von grellen Blitzen und krachendem Donnerwetter begleitet. Wir beten und hoffen, dass das Dach dem Unwetter standhält und wir nicht von einem ins Haus einschlagenden Blitz gegrillt werden! Nach knapp zwei Stunden ist dann alles vorbei, die Luft hat sich spürbar abgekühlt und wir können bis zum Sonnenaufgang durchschlafen.

Trotz dieser Umstände war es für uns sehr interessant, den Alltag einer typischen Familie aus dem Amazonasdschungel kennenzulernen.

Der Vater kocht Innereien auf einer improvisierten Kochstelle aus, die aus einem alten Blechfass und einem ausrangierten Kühlgitter eines Kühlschrankes besteht.
Die Mutter kocht in der Küche, die Kinder rennen und spielen nackt draussen herum.

Im gesamten Aussenbereich liegt alles mögliche herum: Alte Blechfässer, verrostete Eisenteile, Plastikmüll, jede Menge alte Batterien, die kreuz und quer sogar in den Beeten rumliegen, alte Feuerzeuge, ausgedientes Spielzeug, Plastikteller und viele nicht mehr identifizierbare Gegenstände. Man hat fast das Gefühl, man sei auf einer Müllhalde gelandet.

Die Bewohner benutzen Taschenlampen und Transistorradios. Wenn die Batterien leer sind, werden diese dann einfach an Ort und Stelle hingeschmissen und bleiben dort jahrelang unbeachtet liegen.

Zuerst begegneten wir diese fürchterlichen Zustände mit Unverständnis und auch mit Wut darüber, wie man die Natur derart verschmutzen und in so einer Umgebung Kinder aufwachsen lassen kann.

Erst später begreifen wir, was hier eigentlich wirklich passiert ist! Vor wenigen Jahren lebte die Familie vermutlich noch so, wie sie seit vielen Generationen schon immer im Dschungel gelebt hat. Nämlich ohne künstliches Licht, ohne künstlich hergestellten Gegenstände und ohne irgendwelches Verpackungsmaterial.

Früher aßen die Menschen nur das, was die umliegende Natur hergab. Das Essen wurde auf Bananenblätter serviert. Es wurde alles verwertet, so dass erst gar kein Müll entstand. Essensreste, Schalen oder sonstiger natürlicher Abfall wurde kompostiert oder verrottet.

Spielzeug und Werkzeuge wurden aus natürlichem Material hergestellt.

Irgendwann kam dann der vermeintlich “technische Fortschritt”. Missionare und andere weisse Männer brachten Dinge aus der westlichen Welt mit und zeigten den Dschungelbewohnern, dass sie

- mit einem Einwegfeuerzeug viel schneller ein Feuer entzünden können

- mit Taschenlampen mehr Licht erzeugen können

- Plastikspielzeug, made in China, günstig und jederzeit austauschbar erwerben können

- Strom mit Motorgeneratoren erzeugen können

- Fernsehen schauen können.

Leider hatten die schlauen Männer aus dem reichen Westen vergessen, den Leuten mitzuteilen, dass all die neuen Dinge nicht auf natürliche Art und Weise verrotten und zum Teil giftige Inhaltsstoffe besitzen. Man hat den Bewohnern scheinbar keine Mülltonnen mitgebracht und ihnen erklärt, wann sie was in die Tonne schmeissen müssen.

Woher sollten die Dschungelbewohner dass wissen?

Zwangsläufig stellt sich uns da die Frage, ob der technische Fortschritt für die Bewohner tatsächlich so nützlich ist? Konnten sie früher mit ihren handwerklichen Fähigkeiten und den umfangreichen Kenntnissen aus der Natur nicht besser leben? Durch Beschäftigungen wie selbst entfachtes Feuer, Fackeln bauen, eigens hergestellte Nahrungsmittel, Spielzeuge und Werkzeuge, selbst produzierte Medizin aus der Natur hatte jeder Bewohner eine tägliche Aufgabe und nahm so einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein.

Durch den neuen Lebenswandel verlernen immer mehr Menschen diese Fähigkeiten und Kenntnisse. Vielen Menschen fehlt nun eine Aufgabe, sie werden faul, wissen nicht was sie tun sollen, verfallen dem Alkohol usw.

Tief im peruanischen, kolumbianischen und brasilianischen Amazonasgebiet gibt es noch einige Naturvölker, die sich bis heute keiner Missionierung unterworfen und den technischen Fortschritt kaum akzeptiert haben. Einige lehnen den Kontakt zum “weissen Mann” sogar vollständig ab.

Vielleicht leben sie auf ihrer Art in ihrer natürlichen Umgebung deutlich besser, als die “missionierte” Bevölkerung, die im irgendwo am Rand zwischen Dschungel und Stadt leben.

Am nächsten Morgen besuchten wir noch eine Kautschukfarm und lernten die traditionelle Herstellung von “Gummi” kennen, weshalb die Stadt Manaus vor vielen Jahren überhaupt erst entstanden ist und einst reich werden liess.

Im Anschluss daran ging es zurück in die Zivilisation, in die Stadt Manaus, wo ein klimatisiertes Zimmer mit Internetverbindung auf uns wartet.


Peter im Haus


in den Öfen wird aus Maniok Farofa Mehl hergestellt


Maniokpflanzen

von Umweltschutz haben Sie hier leider noch nichts gehört
von Umweltschutz haben Sie hier leider noch nichts gehört, überall liegen Batterien rum


Köln ist auch hier beliebt


Gemütlich sitzen auf der Terrasse


Kakao Frucht


Hütte der Familie


Der kleinste in der Familie


Vater Eduardo


Sohn von Eduardo


Tochter.von Eduardo


Die Kinder der Grossfamilie ( insgesamt leben Sie in 3 Hütten)


Eduardo kocht Innereien


Peters Lieblingsgericht


Eduardo beim abkochen der Därme

leckere Nuss
Brasilianische Kastanie- sehr lecker!


Frau im Kanu


Beim Abendessen in der Miniküche/Sauna


Sonnenuntergang


am fluss


Mann Beim Kautschuck giessen


Melanie beim Kautschuck räuchern


Kautschuckgewinnung


Kleines Quiz: was hat Peter da in der Hand? Tip: es ist aus Kautschuck


Abschied vom Rio Formosa


letzte Fahrt auf dem Fluss