15.Woche – 19.Dezember 2012

Tag 1 von unserem 4 Tages Dschungelabenteuer

Auf in das Abenteuer! Unsere Tour startet an einem verdreckten Hafen am Amazonas. Leider ist es immer dasselbe, da wo “Zivilisation” herrscht, gibt es Schmutz und Dreck. Unser Schnellboot wartet schon auf uns und bringt uns auf die andere Flussseite, die ein paar Kilometer entfernt ist.
Während der halbstündigen Fahrt passieren wir zuerst den “schwarzen” Rio Negro und dann den “milchkaffeebraunen” Rio Solimoes die kilometerlang direkt nebeneinander fliessen, ohne sich zu vermischen. Das äusserst faszinierende Naturschauspiel (Encontro das Aguas) können wir aus nächster Nähe vom Boot aus betrachten. Es sieht so aus, als ob die Flüsse von einer durchsichtigen Mauer oder einer Glaswand von einander getrennt wären.
Der Rio Solimoes, ein Weißwasserfluss, hat aufgrund des hohen Gehalts an mineralischen Schwebstoffen eine schmutzige Lehmfarbe, die irgendwie an einen Milchkaffee erinnert. Der Rio Negro, ein Schwarzwasserfluss erhält seine Farbe durch den hohen Gehalt an Huminsäuren und Fulvosäuren, die vom Regen in seinem großen Einzugsgebiets aus den bereits stark ausgelaugten, sandigen Böden gewaschen worden sind.
Der Rio Negro ist viel saurer( ph-Wert) und fliesst viel langsamer als der Rio Solimoes. Die Wasser-Temperatur ist ebenfalls unterschiedlich. Der Rio Negro soll viele Millionen Jahre alt sein, während der Rio Solimones relativ jung ist. Aus diesen Gründen, fliessen die beiden Flüsse ca. 11 km nebeneinander bis sie sich zum eigentlichen Amazonas vermischen.

Am anderen Flussufer angekommen, geht es in einen alten VW Bus (T2) zügig weiter. Der Bus klappert und scheppert und dem Fahrer scheint es Spass zu machen, mit uns über die Holperpisten zu rasen, und wir hoffen, das uns bei der schmalen Piste kein Auto entgegen kommt.
Wir brausen an einfachen Holzhütten und abgebrannten Waldstücken vorbei, die leider bald als Weideland für die zahlreichen Rinderherden dienen werden.

Es dauert fast eine Stunde bis wir den nächsten Nebenfluss des Amazonas erreichen. Auf dem Fluss Rio Mamori geht es dann nochmal über eine Stunde flussabwärts zu unserer Lodge. Auf dem Weg dahin sehen wir viele Vogelarten und die ersten Kaimane, die an den Ufern in der Sonne faulenzen.

Die Lodge ist einfach und schlicht aus Holz gebaut, aber sehr sauber und mit bequemen Matratzen ausgestattet. Am Flussufer befindet sich das flossähnliche Haupthaus, worin sich die Küche und ein grosser Aufenthaltsraum sowie im Aussenbereich der Bootssteg befindet.

Vom Steg aus beobachten wir, wie immer wieder graue Flussdelfine aus dem Wasser auftauchen und viele Komorane, die nach Fischen jagen.

Die Sonne scheint erbarmunglos vom strahlendblauen Himmel auf uns herunter. Selbst das eiskalte Bier kann uns nicht erfrischen. Unsere Klamotten sind schnell durchgeschwitzt. Es fühlt sich so an, als wären wir bekleidet in ein heisses Dampfbad gestiegen!

Da kommt uns die erste Mutprobe gerade recht: Wer springt als Erstes in den naturtrüben, milchkaffeebraunen Fluss?

Schnell sind die Klamotten runtergestreift. Mit drei anderen Jungs stehen wir nun in Badekleidung auf dem Steg und schauen respektvoll in das trübe Gewässer. Bei dem Gedanken, da reinzuspringen, wo sich zahlreiche Kaimane und Piranhaschwärme tummeln, wird uns allen mulmig.
Ich beschloss als Erster zu springen. Ich gehe ein paar Schritte zurück, um Anlauf zu nehmen. Der Adrenalinspiegel steigt. Herzklopfen! Ich atme nocheinmal tief durch. Dann sprinte ich los und springe kopfüber in den Rio Mamori!
Beim auftauchen war ich erstmal froh, dass mich nichts unter Wasser angeknabbert hat. Erst kurz darauf merke ich, dass von einer Erfrischung überhaupt keine Rede sein kann. Der Fluss ist an der Wasseroberfläche richtig heiss, als wenn ich in kochendes Wasser gesprungen wäre! Als Melanie bemerkte, dass mir nichts fehlt, springt sie mutig mit einem gekonnten Köpfer hinterher.
Wir schwimmen bis zur Mitte, um die Flussdelfine aus der Nähe zu sehen.

Erst dann steigen die anderen nach und nach zögernd in den Fluss und nehmen angespannt nur ein kurzes Bad.

Nach altem Indianerritual wurde ich mit dieser Probe nun zum Mann! ;-)

Am Nachmittag chillen wir am Bootssteg, dösen im Schatten und springen ab und zu ins Wasser.

Später fischen wir mit improvisierten Angelruten ein paar Piranhas aus dem Fluss, die uns dann abends frisch gegrillt serviert werden.

Nach dem Essen geht es mit Ralf – unserem Guide mit indigenen Wurzeln – nochmal in das kleine Holzboot, das mit einem 25PS-Aussenbordmotor bestückt ist, um in der dunklen Nacht nach Kaimanen Ausschau zu halten.

Eine eigenartige Stimmung umgibt uns. In der Dunkelheit treiben wir fast geräuschlos mit ausgeschaltetem Motor in Ufernähe dem Fluss entlang. Über uns leuchtet der Halbmond in einem gigantischen Sternenhimmel und eine unheimliche Ruhe umgibt uns, die nur vom Quaken der Kröten und Zirpen der Insekten unterbrochen wird.

Mit seinem erfahrenen Blick entdeckt Ralf sehr schnell den ersten Kaiman. Mit blossen Händen versucht er das Reptil zu fangen! Doch es entwischt ihm. Beim 7.Versuch gelingt es ihm einen Kaiman aus dem Wasser zu holen. Das Tier ist etwa acht Jahre alt und ca. 1,5 Meter gross. Anhand des lebendigen Reptils erfahren wir viel über die Eigenschaften und Fähigkeiten des nachtaktiven Schwimmers, bevor er es wieder an unserem Bootssteg in die Freiheit entlässt.

Nach diesem ereignisreichen Tag stossen wir noch mit einem Caipi auf meinen Geburtstag an. Wir gehen dann früh ins Bett und lauschen noch den vielen Vögeln und Insekten, die ihr nächtliches Konzert zum Besten geben.

Am nächsten Tag geht es wieder frühmorgends mit dem Boot raus auf dem Fluss und nachmittags tief in den Dschungel, wo wir unsere erste Nacht im Freien verbringen werden.

Das Treffen der zwei Flüsse

Kleiner Hafen auf der anderen Flussseite

Spielende Kinder im Hafen

Wasserlilien

Alltag am Fluss

Supermarkt am Fluss

Blick vom Bootssteg

Sprung ins Unbekannte

Geniessen der Mittagssonne

Schwimmen im Unbekannten

Relaxen

Piranha am Haken

unser neuer Freund

ein Pfundskerl

gegrillter Piranha