SALVADOR DE BAHIA UND UNSER BESONDERER EMPFANG IM STADTTEIL PELOURINHO

11.WOCHE – 19. bis 22. November 2012

Endlich sind wir in Salvador mit Verspätung gelandet und wundern uns als wir auf die Flughafenuhr schauen. Doch keine Verspätung, hier ticken die Uhren nur einfach langsamer ;-) ( jetzt sind es wieder 4 std.Unterschied zu Deutschland)

Mit unseren zwei grossen und zwei kleinen Rucksäcken und der dürftigen Wegbeschreibung zu unserem Hostel in der Hand, stehen wir nun an einer Bushaltestelle vor dem Flughafen und hoffen, bald in unserem Hostel zu landen.

Das Glück ist auf unserer Seite! Nach nur 10 Minuten Wartezeit kommt ein Bus angefahren, der auch tatsächlich bis ins historische Zentrum von Salvador fährt. Leider ist der Bus proppenvoll, so dass wir mit unserem zentnerschweren Gepäck stehen müssen. Wir fahren an kilometerlangen Sandstränden und an zigtausend Kokospalmen vorbei, ehe wir die Stadt erreichen. Die Fahrt zieht sich und wir wundern uns allmählich, wann wir denn endlich im Zentrum sind. Nach zwei Stunden werden wir doch sehr unruhig und fragen eine Brasilianerin, wann wir denn endlich im Zentrum ankommen werden. Daraufhin antwortete sie uns im perfekten deutsch, dass die Fahrt insgesamt etwa 2 1/2 Stunden dauern würde!
Wir sind immer wieder erstaunt, dass wir relativ häufig Brasilianer treffen, die gut Deutsch sprechen.

Endlich sind wir an der Endhaltestelle angekommen, doch die Wegbeschreibung zum Hostel ist uns nicht klar.

Es ist mittlerweile stockdunkel und wir haben keinen blassen Schimmer, in welche Richtung wir laufen sollen.

Ein paar Meter weiter entdecken wir zwei Militärpolizisten, die gerade an einem Strassenstand etwas essen und trinken. Für uns die Gelegenheit, jemanden nach dem Weg zu fragen. Die beiden Polizisten sind sehr freundlich, können aber kein Englisch. Dafür konnten sie alle Namen von unseren Fussballnationalspielern auswendig! Kurzerhand entschlossen sich die beiden Militärjungs uns zu begleiten. So werden wir mit einer Militärpolizeieskorte zu unserem
Hostel gebracht. Zwischendurch wird
noch schnell ein Crackjunkie angehalten und durchsucht, worauf ein lautes Geschrei von anderen Junkies folgt und wir Beide etwas bedeppert mit unseren schweren Rucksäcken belastet, daneben stehen und mit Staunen diese Szene vor uns beobachten.
Nachdem die Jungs mit dem Junkie fertig sind, geht es schnurstracks weiter. Wir überqueren ein paar dunkle Strassen und Ecken und erreichen dann schliesslich unsere Unterkunft.
“Muito obrigado!” mit diesen Worten und einem herzhaften Handschlag verabschieden wir uns von unserer Polizeieskorte.

Das “Pelo” wie die Einwohner liebevoll ihre wunderschöne, kunterbunte Altstadt nennen, wurde seit den 1980er Jahren laufend restauriert und zwischenzeitlich zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt. Es ist die älteste
und grösste zusammenhängende Barockstadt auf dem ganzen amerikanischen Kontinent.

Das “Pelo” ist ein Teil der Oberstadt, die mit einem Aufzug mit der Unterstadt verbunden ist, ähnlich wie in Lissabon.
Salvador ist die “schwärzeste” Stadt Brasiliens und hier sind die Wurzeln der afrikanischen Lebensart lebendig, hier haben sich die mystischen afrikanischen Rituale und Götter der ehemaligen Sklaven mit dem katholischen Glauben und den indianischen Ritualen zu einer eigenständigen Kraft entwickelt.

An dem kommenden Dienstag Abend ist in Pelo Partynacht angesagt. Überall sind in dem sonst wie ausgestorbenen Viertel wilde Sambarhytmen zu hören. Es wird getrommelt, getanzt und gelacht!

Ob dünn, ob dick, weiblich oder männlich, jung oder alt, wie die hier mit den Hüften und dem Arsch wackeln können, ist kaum zu glauben!
Die Stimmung und der Rhytmus steckt natürlich auch Melanie an, die ebenfalls passend zu den lauten Klängen aus den Lautsprechern ihre Hüften schwingen lässt.

Wenn es nicht gerade Dienstag Abend ist und die Geschäfte schliessen, wirkt das Viertel schnell ausgestorben, nur in einigen Restaurants ist etwas los. An allen Ecken steht Militärpolizei und passt auf Touristen auf. Nur ein paar Strassen weiter kann man sich sogar tagsüber schon nicht mehr alleine aufhalten, da dort überall Crackzombies mit weit aufgerissenen Augen schreiend durch die Strassen ziehen. Einmal kam ein Zombie torkelnd auf uns zu, irgendwelche unverständlichen Laute drangen aus seinem zahnlosen Mund und erschreckte uns derart, dass wir schnell auf die andere Strassenseite wechselten. Der Hostelmanager warnte uns eindringlich nicht die bewachten Zonen im historischen Zentrum zu verlassen.

Wir waren bisher nicht so nah an der Armut dran, wie hier im Pelo. Vor unserem Hostel haben Strassenkinder auf dem Gehweg geschlafen.

Ausserdem verschlug es uns die Sprache, als wir einen wohlhabenden, brasilianischen Touristen sahen, der seine 1000 Dollar Spiegelreflexkamera völlig schamlos aus nächster Distanz auf einen liegenden Obdachlosen mit kaputen Beinen zielte und für diese Unverschämtheit nicht mal einen einzigen Real liegen lies. Eine solche Geschmacklosigkeit haben wir noch nicht gesehen. Es ist uns unbegreiflich, wie man sich am Leid anderer (egal ob Mensch oder Tier) so ergötzen kann. Aus Wut hätten wir ihm glatt die Fresse polieren können.

Das alles zusammen, war ein Grund Salvador schnell wieder zu verlassen, ohne der Stadt eine faire Chance zu geben. Ausser dem Historischen Zentrum haben wir praktisch nicht viel von Salvador gesehen und können uns deshalb kein abschliessendes Urteil erlauben.

Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir mal Urlaub vom Reisen brauchen.

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