10. Woche – 10. bis 15. November 2012

Nachdem der Himmel gestern seine Schleusen nicht mehr schließen wollte und es den ganzen Tag stark wie aus Eimern regnete, verbrachten wir die meiste Zeit in unserem Saloon und schauten aus dem riesigen Panoramafenster hinaus und beobachteten die kleinen Äffchen, die uns immer wieder neugierig anschauten und die Regentropfen von der Scheibe schleckten. Den Rest vom Tage verbrachten wir überwiegend damit, um unsere Reise weiter zu organisieren und Emails sowie unsere “Fanpost” zu beantworten.

Umso mehr freuten wir uns heute morgen, dass der Himmel nur noch hellgrau ist und nur noch einzelne fette Regentropfen vom Himmel fielen.

Wir nutzen die Gunst der Stunde und nehmen mit gefühlten 50000 anderen Menschen die Fähre zur Nachbarstadt NITEROI, einer kleineren, lebendigen Universitätsstadt, die sich geografisch direkt gegenüber von Rio de Janeiro befindet.

Vom Ufer aus genießen wir fasziniert die tolle Aussicht auf die Silhouette von Rio. Der Zuckerhut und Christo sind in einer Linie stehend zu sehen! Immer wieder ein berauschender Anblick!

Ein paar Minuten spazieren wir dem Ufer entlang und passieren bald eine piekfeine Wohngegend. Die luxuriösen Appartementhäuser stehen in Reih und Glied nebeneinander, mit unverbautem Blick auf den Ozean und Rio de Janeiro!

Die Strassen werden hier von etlichen Security-Männern kontrolliert und durch zahlreich installierte Kameras überwacht.

Wir wundern uns dabei oft über den schlechten Geschmack manch (neu)reicher Leute. So konnten wir ganz offensichtlich in ein verglastes Appartement im zweiten Stock sehen, wo überall goldglänze Dinge zu sehen waren und ein dicker Mann auf einem kitschigen, goldenen Sessel sass und irgendwie gelangweilt auf den Ozean starrte. Auf einen Sichtschutz hatte der alte Herr verzichtet, vermutlich weil sonst niemand seine
zahlreichen Goldschätze sehen konnte. Schnell ziehen wir weiter und verlassen den armen Mann in seinem goldenen Käfig.

Ein paar Schritte weiter entdecken wir das Objekt unserer Begierde: Das futuristische Museu de Arte Contemporanea (MAC) taucht wie ein soeben gelandetes Flugobjekt Ausserirdischer vor uns auf. Das Meisterwerk von Oscar Niemeyer präsentiert sich majestätisch auf einen vorgelagerten Felssprung!

„Der rechte Winkel zieht mich nicht an, und auch nicht die gerade, harte inflexible Linie, die der Mensch geschaffen hat. Was mich anzieht, ist die freie und sinnliche Kurve, die ich in den Bergen meines Landes finde, im mäandernden Lauf seiner Flüsse, in den Wolken des Himmels, im Leib der geliebten Frau. Das ganze Universum ist aus Kurven gemacht. Das gekrümmte Universum Einsteins.“

Besser als mit diesem Zitat von Oscar Niemeyer selbst, kann man seine kurvenreiche und futuristische Architektur kaum beschreiben!

Wir bestaunen die uns vorliegende Kulisse: Vor uns liegt das Museum und am Horizont steht der Zuckerhut und das strahlende Rio de Janeiro, dass von geheimnisvollem Licht und einer mystischen Wolkenformation umgeben ist.

Oscar Niemeyer wird im Dezember 105 Jahre alt und ist immer noch beruflich aktiv. Er hat bisher über 600 Gebäude konzipiert, die erbaut worden sind!
Alle öffentlichen Gebäude der brasilianischen Planhauptstadt stammen aus seiner Hand. Die UNESCO erklärte Brasilia 1987 zum Weltkulturerbe.

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